Sanierung und Umnutzung des Fernsemmer-Huses in Scheffau im Allgäu

Einleitendes

Am 18.02.2017 veranstaltete die informelle Denkmalschutz-Initiative-Westallgäu eine Exkursion nach Scheffau im bayrischen Landkreis Lindau, um dort vom Hausbesitzer dem Archäologen der klassischen Antike, Steinmetzmeister und Unternehmer Dr. Michael Pfanner eine Führung durch das von ihm als Bauherren von 2012 bis 2016 sanierte Fernsemmer-Hus zu erhalten.

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Abb. 1: Mitglieder der informellen Denkmalschutz-Initative-Westallgäu stehen mit Michael Pfanner (rechts im Bild) vor dem Eingang zum Dorfladen, der im Fernsemmer-Hus im Rahmen der Umnutzung integriert wurde, zweiter von rechts der Archäologe, Restaurator und Modelbauer Dr. Hermann Scharpf (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Kurze Geschichte des Fernsemmer-Hus

Bisher konnte die Baugeschichte des Fernsemmer-Huses anhand den Archivquellen nur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Klar ist, dass das Gebäude im 19. und 20. Jahrhundert nachweislich als Gasthaus mit angeschlossenem landwirtschaftlichem Betrieb genutzt wurde. Es handelte sich hierbei um das Gasthaus zum Löwen. Aufgrund der Nutzungskontinuität von Gebäuden, die bis zum Ende des Lehenswesens im Jahr 1849 gegeben war, und die sich aus dem Lehensrecht und den an die zumeist gleichbleibenden, an die Lehenhäuser gebundenen Gerechtigkeiten ableitet, wozu auch das Schankrecht, Beherbergungsrecht etc. zählen, lässt sich mit großer Sicherheit annehmen, dass das Fernsemmer-Hus bereits im 18. Jahrhundert Gasthaus war.

 

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Abb. 2: Philipp Scheitenberger im Frühjahr 2017 bei der Entnahme von Dendroproben an einer Blockwand im Fernsemmer-Hus (Foto: Hermann Scharpf 2016).

Was die Datierung des überlieferten Baubestandes des Fernsemmer-Huses anbetrifft, so legen die Ergebnisse einer dendrochronologischen Datierung an den Hölzern der Blockbaukonstruktion des Gebäudes, die von Philipp Scheitenberger im Frühjahr 2017 durchgeführt wurde, nahe, dass das Haus in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Eine mit einem Baudatum versehene Spolie, die vom Vorbesitzer beim Abriss eines landwirtschaftlich genutzten Gebäudeteils des Hauses zum Vorschein kam, legt eine Erbauung des Fernsemmerhuses in Verlauf des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahe.

Anhand vertiefender dendrochronologischer Untersuchungen sollen Ende 2018 genauere Daten zum Baualter des Hauses ermittelt werden.

Der erste Eindruck von außen

Steht man heute vor dem sanierten Fernsemmer-Hus erblickt man ein massiges, gedrungenes und trotzdem sehr klar in den Proportionen erscheinendes ehemaliges Gasthaus an zentralem Platz nahe der Kirche im Dorf Scheffau. Das Gebäude gliedert sich dabei harmonisch in den gut erhaltenen und unter Ensembleschutz stehenden Ortskern von Scheffau ein.

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Abb. 3: Das Fernsemmer-Hus in Scheffau (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Auf das an alten Stellen graue und an erneuerten Stellen hellbraune Schindelkleid des Gebäudes, das auch auf den von der Straße aus sichtbaren Klebdächern der Nord- und Westfassade anliegt, warf an diesem Tag die spätwinterliche Februarsonne ihr schrägeinfallendes Licht, und gab dem Haus bereits von außen eine Ausstrahlung von Wärme, Behaglichkeit und sonnenmalerischer Harmonie. Mit seinem silbrigen Blechdach und seinem hölzernen Schuppenkleid schmiegt sich das „Fernsemmer-Hus“ beinahe wie eine auf dem warmen Fels liegende Bergeidechse in den Ort Scheffau. Zumindest aus dem Blickwinkel dieses schönen sonnigen Tages scheint dieser Vergleich durchaus berechtigt.

Noch bevor der Hausherr kam zogen die Schindelfassade und die Hohlkehlen der Klebdächer die Aufmerksamkeit unserer Exkursionsgruppe auf sich.

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Abb. 4: Foto Klebdächer und Hohlkehlen, Walzblei etc. (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Der Hausherr kommt – Beschau und Erläuterungen von außen

Als Herr Pfanner beim Fernsemmer-Hus eintraf, begrüßte er uns sehr herzlich, und begann sogleich mit seiner Führung. Während des folgenden Ganges um das Haus erläuterte er uns einige Details zur Fassadensanierung.

So legte Herr Pfanner bei der in Stand Setzung der geschindelten Fassad Wert darauf nur die Flächen des Schindelschirms zu ersetzen, die hinsichtlich ihres Zustandes nicht mehr erhalten werden konnten. Dies betraf auch einen Bereich des Schindelschirms im Obergeschoss des Gebäudes. Hier wurde ein Teil der Schindeln aufgrund des Einbaus eines in die darunterliegende Blockwand eingelassenen Stahlträgers zur statischen Sicherung der Giebelwand entfernt und hiernach durch Anbringung neuer Schindeln renoviert. Diese Art der Sanierung ist der Grund für die zwischen grau und braun changierende Farbe der Fassade des Fernsemmer-Huses, die dem Betrachter ein solch lebendiges und malerisches Bild bietet.

Im Bereich der Stoßkanten des Schindelschirms an Fassade und Klebdächern wurden zur Abhaltung von Schlagregen an den Gehrungsfugen aus Walzblei gefertigte Blechverwahrungen aufgenagelt. Walzblei wird häufig am Bau für steinerne Fensterbänke etc. als Wetterschutzabdeckung verwendet. Hier scheint wohl technisches Wissen aus dem Steinmetzberuf durch den erfahrenen Steinmetzmeister Pfanner Eingang in die Umsetzung der Fassadensanierung gefunden zu haben.

Auch am Haus Walser in Kißlegg konnte am Baubestand beobachtet werden, dass sich an historischen Gebäuden häufig in der technischen Umsetzung von Baudetails handwerklich-materielle Praktiken aus dem Handwerkszweig des Hausbesitzers wiederfinden lassen. So wurden am Haus Walser beispielsweise von den hier ansässigen Spenglern viele Bauteile, Baudetails und Reparaturteile aus Blech angefertigt.

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Abb. 5: Detail der Fassade des Fernsemmer-Hus (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Die gebogenen Bretter der Hohlkehlen unterhalb der Klebdächer des Fernsemmer-Huses waren vor der Sanierung weitestgehend verfault, so dass diese Hohlkehlen bis auf einen kleinen Teilbereich aus neuen Brettern gefügt und als Verwahrung angebracht werden mussten. Anschließend wurde darauf wieder das anhand eines Befundes rekonstruierte Dekorband aufgemalt.

Im Rahmen der Fassadensanierung wurden auch die Fenster des Obergeschosses durch handwerklich hergestellte Neuanfertigungen nach historischem Vorbild ersetzt.

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Abb. 6: Eingang des Dorfladens des „Fernsemmer-Hus“ (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Im Hinblick auf die einstige Nutzung eines Teils des Fernsemmer-Hus als Bäckerei, wurde im ehemaligen Verkaufsraum der Bäckerei ein Dorfladen eingerichtet, in dem man heute nicht nur Dinge für den alltäglichen Bedarf einkaufen kann, sondern auch die Dorfgemeinschaft Scheffaus einen Ort des alltäglichen, geselligen Beisammenseins wiedergefunden hat.

Insgesamt war es Michael Pfanner sehr wichtig im Fernsemmer-Hus aufgrund seiner öffentlichen Bedeutung für die Ortschaft nach der Sanierung auch eine Nutzung durch die Bewohner des Dorfes zu ermöglichen. So werden im Haus heute regelmäßig Veranstaltungen wie etwa Faschingsbälle und ähnliches abgehalten.

Gleichzeitig nutzt Herr Pfanner das Haus jedoch auch privat. Somit Verschränken sich im Haus private und öffentliche Nutzung, was für die Dorfgemeinschaft in Scheffau einen Mehrwert darstellt. Herr Pfanner war diese Öffnung des Hauses für die Bewohner von Scheffau bei seinen Überlegungen zur Umnutzung des Gebäudes ein sehr wichtiger Gesichtspunkt.

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Abb. 7: Der Brunnen des Fernsemmer-Hus (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Da auf dem alten Haus ein Brunnenrecht lag wurde von Michael Pfanner im westlichen Hofbereich des Fernsemmer-Hus ein Brunnen aufgestellt für den er als figürliches Element eine Büste anfertigte. Inspiriert wurde er dabei von den Scheffemer, den Stammahnen der Ortschaft Scheffau.

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Abb. 8: Nördliche Traufseite mit Eingang des Fernsemmer-Hus (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Auf der nördlichen Traufseite des Fernsemmer-Hus befindet sich der zur Straße hin gelegene Haupteingang des Gebäudes, der im Rahmen der Sanierung mit einem geschindelten Dächlein versehen wurde. Die Gehrungen des Dächleins wurden wie bei den Klebdächern mit Walzblei abgedeckt. Auf der geschindelten Fassade der Nordseite des Hauses wurde ein beschriftetes Schild angebracht, das Passanten oder Besucher des Gebäudes kurz über die einstige Nutzung des Bauwerks informiert.

Im Erdgeschoss

Über die Türe der nördlichen Traufseite betritt man nun den Quer zur Firstlinie verlaufenden Flur des Gebäudes, was deutlich macht, dass es sich hierbei um ein Querflurhaus handelt, wie sie beispielsweise auch in der Umgebung von Kißlegg anzutreffen sind.

Südlich an den Querflur schließt sich die Küche an,  wo sich an der Ostwand der aus Stein gehauene und in die Bruchsteinmauer eingelassene Waschstein befindet. Das Spülwasser wird hierbei über einen Mauerdurchbruch direkt nach draußen geleitet. Südlich neben dieses alte Spülbecken wurde im Rahmen der Sanierung ein neues Edelstahlbecken gesetzt, somit das neue Nutzungselement am Ort der alten Nutzung platziert und hierdurch die Wahrung des historischen Bau- und Ausstattungsbestandes des Gebäudes erreicht. Der Einbau des neuen großen Waschbeckens war nötig, da im Rahmen der Abhaltung von größeren Veranstaltungen im Haus in der Küche ausgeprägterer Betrieb herrscht, und somit auch die Anbringung eines hierfür adäquat nutzbaren Spülbeckens notwendig war.

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Abb. 9: Die Küche im Erdgeschoss des Fernsemmer-Huses mit neuem Waschbecken und altem Waschstein (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Der historische Zustand der ehemaligen Wirtsstube des Fernsemmer-Huses ist trotz einiger restauratorischer Maßnahmen nicht verändert worden. Die Authentizität der historischen Oberflächen der Möblierung und der Vertäfelung etc. wurden hierbei weitestgehend erhalten. Inzwischen wird der Raum seiner ehemaligen Nutzung entsprechend bei Festen und Veranstaltungen als Gast- und Schankraum genutzt.

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Abb. 10: Die Nordwestecke der Wirtsstube im Erdgeschoss des Fernsemmer-Huses (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Im Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss des Hauses befindet sich ein Festsaal, der im Rahmen der Sanierung ebenfalls restauriert wurde und heute entsprechend seiner einstigen Zweckbestimmung weitergenutzt wird. Hier wurde die abgehängte Scheinkassettendecke erneuert.

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Abb. 11: Blick in den Festsaal im Obergeschoss des Fernsemmer-Hus (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Im Rahmen von Befunduntersuchungen an den Wänden des Festsaals freigelegte Schablonenmalereien, die voraussichtlich aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen, wurden im Verlauf der Sanierung des Gebäudes wieder rekonstruiert. Sie bieten für die Gäste des Fernsemmer-Huses eine reizvolle Umgebung um hier zu feiern und sind ein schöner Hintergrund für die vielfältigen Kunstgegenstände die Michale Pfanner im Festsaal und weiteren Gebäudeteilen als die Sinne anregende Zutaten platziert hat.

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Abb. 12: Im Festsaal des Fernsemmer-Huses ausgestellte Skulptur, im Hintergrund die im Text erwähnte Schablonenmalerei (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Zur Beheizung des Festsaales wurde an einer Innenwand ein Holzofen angebracht. Da aufgrund von Brandschutzbestimmungen am Bau Vorkehrungen zur Feuersicherheit getroffen werden mussten, brachte Michael Pfanner im Bereich der Holzvertäfelung hinter dem Ofen Sandsteinplatten an, die so angefertigt wurden, dass sie sich harmonisch in den Baubestand einfügen, also formell-gestalterisch an das Täfer angepasst wurden.

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Abb. 13: Michael Pfanner steht vor dem Holzofen im Festsaal und erläutert Details zur Sanierung des Fernsemmer-Huses (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

So wurde beispielsweise der horizontale Verlauf einer Holzleiste des Täfers im Sandstein weitergeführt. Diese partielle, gestalterische Anpassung der Sandsteinplatte an das Täfer wurde auch durch die Vergoldung einer Fase an der Sandsteinplatte deutlich gemacht, was hierdurch die Vergoldung am Täfer fortführt. Die aus denkmalpflegerischer Hinsicht notwendige Abhebung neuer baulicher Hinzufügung vom historischen Baubestand wird hier durch die materielle Grenze zwischen dem Holz des Täfers und dem Sandstein der Feuerverkleidung gelöst. Trotzdem werden an der steinernen Feuerverkleidung formell-gestalterische Elemente der Holzvertäfelung in Stein zitiert und somit der bauliche Gesamteindruck des Täfers visuell erhalten.

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Abb. 14: Detail der Steinverkleidung im Täfer im Festsaal des fernsemmer-Hus (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Ein ehemaliger Tanzsaal im zweiten Obergeschoss des Fernsemmerhuses wurde ebenfalls behutsam restauriert. Heute werden in diesem Raum unter anderem Konferenzen abgehalten. Wie in den übrigen Teilen des Gebäudes zeigt sich auch hier in der Ausstattung durch Kunstgegenstände Michael Pfanners ausgeprägter Kunstsinn. Im Tanzsaal befindet sich auch eine Bühne. Sie wurde im Rahmen der Sanierung anhand von befunden im Raum rekonstruiert, und ehemals beispielsweise zur Darbietung von Theaterstücken etc. genutzt. Heute findet der Neubau der Bühne wieder Verwendung im Rahmen von Veranstaltungen und Feierlichkeiten.

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Abb. 15: Der ehemalige Tanzsaal des Fernsemmer-Huses im zweiten Obergeschoss wird heute als Konferenz-Raum genutzt, hier wurde eine abgegangene Bühne rekonstruiert (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Aufgrund von Gebäudesetzungen entstandene Risse am Verputz der Wände des Tanzsaals, wurden restauriert, jedoch hierbei der durch die Gebäudesetzung entstandene Versatz an der Wandmalerei sichtbar gelassen. Hierdurch wird dieser Teil der baulichen Entwicklungsgeschichte des Gebäudes erhalten.

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Abb. 16: Detail an der Wandmalerei im ehemaligen Tanzsaal des zweiten Obergeschosses, an Versatz in der Wandmalerei lässt sich eine einstige Setzung des Gebäudes nachvollziehen (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Im Dachgeschoss

Das Dachgerüst des Fernsemmer-Huses wurde in seinem historischen Bestand erhalten und durch Hinzufügung von stützenden Holzkonstruktioen statisch ertüchtigt. Dies war unter anderem auch deswegen notwendig geworden, da auf der überlieferten alten Blechdeckung des Daches ein neues Blechdach angebracht wurde, und somit hierdurch mehr Auflast auf das Dachgerüst eingebracht wurde, was eine statische Ertüchtigung des Dachstuhles erforderlich machte.

Hiermit konnte jedoch die historische Blechdeckung des Fernsemmer-Huses mit ihren technisch-materiellen Eigenschaften und ihrer historischen-Authentizität erhalten werden.

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Abb. 17: Statisch ertüchtigtes Dachgerüst des Fernsemmer-Huses im Bereich des Hängewerks oberhalb des Tanzsaales (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Im Keller

Im Keller des Fernsemmer-Huses richtete Michael Pfanner eine Sauna mit Sanitärbereich ein, die auch von den Dorfbewohnern genutzt werden kann. Im kalten Allgäuer Winter findet sich hier ein warmes Plätzchen, an dem es sich gut aushalten lässt und man sich von den körperlichen Strapazen der kalten Jahreszeit erholen kann.

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Abb. 18: Ein Teilbereich der Sauna in einem Gewölbekeller des Fernsemmer-Huses (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Beurteilung der Sanierung und Umnutzung

Die Umnutzung und Sanierung des Fernsemmer-Huses ist ein Vorzeigebeispiel für die bauliche Inwertstellung und Nutzbarmachung leerstehender Denkmäler in Ortskernen im Allgemeinen und für das Westallgäu im Speziellen.

Das von Michael Pfanner und den beteiligten Handwerkern bei der Sanierung dieses alten Gasthauses an den Tag gelegte Einfühlungsvermögen in den historischen Baubestand und das große Interesse des Erhalts der historischen Bausubstanz des Fernsemmer-Huses ging hierbei einher mit sehr sensibel umgesetzten baulichen Hinzufügungen und Ertüchtigungen, die der adäquaten Wiedernutzbarmachung und statischen Sicherung des Gebäudes geschuldet waren.

Neben dieser denkmalpflegerischen Komponente lässts sich die Umnutzung und Sanierung des Fernsemmer-Huses jedoch auch auf der sozialen, die Dorfgemeinschaft Scheffaus betreffenden Ebene als sehr gelungenes Projekt ansehen, da das Haus einerseits in der privaten Nutzung von Michale Pfanner steht, jedoch andererseits auch für die Bewohner des Dorfes seiner ursprünglichen Funktion als Gasthaus und Einkaufsladen entsprechend wieder erschlossen und geöffnet wurde.

Durch die Ausstattung des Fernsemmer-Huses mit vielseitigen und reizvollen Kunstwerken bietet Michael Pfanner zudem den Bewohnern des Dorfs im Haus eine musisch-künstlerisch inspirierende Umgebung, was der Seele des ein oder anderen Gastes im Haus sicher auch sein Gutes tut, da hier das Auge des Betrachters für das Schöne in der Kunst geöffnet wird, das sich hierbei harmonisch mit dem historischen Baubestand des Gebäudes verbindet. So findet man als Besucher im Fernsemmer-Hus nicht nur sein zu Hause in einem vorbildlich sanierten denkmalgeschützten Gasthaus, sondern auch in einem Musentempel und dem Haus eines großen Allgäuer Archäologen und Handwerkers.

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Abb. 19: Das Fernsemmer-Hus in Scheffau (Foto: Philipp Scheitenberger 2016).

Aus gutem Grund wurde die Sanierung des Fernsemmer-Huses vom Bezirk Schwaben, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Bayerischen Denkmalamt durch die Verleihung von Preisen als besondere Leistung gewürdigt.

 

Autor: Philipp Scheitenberger

Veröffentlicht am 01.11.2018

Bild- und Textrechte liegen beim Autor, falls nicht anders angegeben.

Die Spitalkirche Bärenweiler und die Filialkirche St. Agatha in Agathazell; Bauerhalt an Dachdeckungen Allgäuer Sakralbauten

(Seminararbeit im Masterstudiengang Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Seminar „Bauerhalt“ von Prof. Dr.-Ing. Stefan Breitling (Professur für Bauforschung und Baugeschichte). Ein Teil der in der Seminararbeit enthaltenen Abbildungen wurde in der online-Version nicht publiziert.)

Selten sind heute noch im Allgäu Kirchendachdeckungen aus Nagelschindeln zu finden. Häufig wurden diese bereits im 19. Jahrhundert was die Deckung der Zwiebelhaube betrifft durch Blech ersetzt, oder was die Dachdeckung des Langhauses anbelangt durch eine Ziegelplattendachdeckung ausgetauscht.

Ein Beispiel für die Kontinuität der Nagelschindeldachdeckung an einem Allgäuer Sakralbau bis in die heutige Zeit ist die Deckung des Langhausdaches und der Zwiebelhaube der ursprünglich mittelalterlichen, jedoch 1613 durch Simon Besler umgebauten katholischen Filialkirche St. Agatha in Agathazell bei Immenstadt (Abb. 1).[1]

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Abb. 1: Blick nach Nordwesten auf die Südfassade der katholischen Filialkirche St. Agatha in Agathazell bei Immenstadt im Allgäu (Philipp Scheitenberger 2018).

Ein konträres Beispiel zu diesem Fall ist hingegen die 1620 von dem aus Eisenbolz bei Immenstadt stammenden Maurermeister Konradt Pfister erbaute Spitalkirche Bärenweiler bei Kißlegg im Allgäu (Abb. 2 und Abb. 3).[2]

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Abb.  2: Blick in Richtung Süden auf die Nordseite des Spitals Bärenweiler mit der sich östlich angliedernden Spitalkirche (Philipp Scheitenberger 2014).

Die Baugeschichte zur Dacheindeckung der Spitalkirche Bärenweiler ist ein interessantes Beispiel für die durch die zentral organisierte königlich-württembergische Bauverwaltung im 19. Jahrhundert in den neuwürttembergischen Gebieten umgesetzte, zentralisierte Baugesetzgebung und soll folgend genauer dargestellt und denkmalpflegerisch bewertet werden.

Bauerhalt im Jahr 1836: Reparatur und Anstrich der Holzschindeldeckung

Bevor genauer auf den Bauerhalt an der Holzschindeldeckung der Spitalkirche Bärenweiler im Jahr 1836 eingegangen wird, soll zunächst eine kurze Einführung zur Technik und Verwendung der Holzschindeldachdeckung im Oberamt Wangen erfolgen.

Auf Dächern mit einer steileren Dachneigung und Turmhelmen müssen Holzschindeln auf eine auf den Dachsparren angebrachte eng ausgeführte Lattung aufgenagelt werden.[3] Das Anbringen einer Bretterverschalung auf den Dachsparren ist dafür nicht unbedingt notwendig, kann jedoch auch als Unterkonstruktion verwendet werden.[4]

Am 29. November 1882 kaufte die Spitalpflege, Bärenweiler von einem Zimmermann noch 25000 Holzschindeln für den Preis von 37,50 Mark an.[5] Die große Menge an bestellten Dachschindeln zeigt an, dass neben der Spitalkirche sicher auch noch andere Gebäude des Spitals mit Holzschindeln gedeckt waren, und hin und wieder ausgebessert werden mussten.

Dachdeckungen von Gebäuden aus aufgenagelten Holzlandern, die auch Holzschindeln genannt werden, waren im Oberamt Wangen noch bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als Dachdeckung gleichermaßen verbreitet.[6] Wobei die Landern als größere Holzschindeln für die Deckung von flachgeneigten Dächern, und die Holzschindeln als im Verhältnis hierzu kleinere Schindeln für die Deckung von steiler geneigten Dächern und Zwiebelhelmen verwendet wurden. Jedoch verschwand die Holzschindeldachdeckung als prägendes Bild der Hauslandschaft des Oberamts Wangen im Laufe des 19. Jahrhunderts, aufgrund von königlich Württembergischen Bauverordnungen der Jahre 1821 und 1839, die aus Brandschutzgründen Holzschindeldachdeckungen verboten, sukzessive und es verbreiteten sich anstatt dessen Ziegeldachdeckungen.[7] Zudem wirkte auch das Aufkommen der Milchviehwirtschaft im Oberamt Wangen, und der damit verbundene Ausbau der Dächer von Bauernhöfen zu Heuspeichern unter Verwendung steilerer Dachneigungen, der Verwendung von Holzschindeldeckungen am Dach entgegen.[8]

Das als Wohnhaus und Färberei genutzte Haus Walser, Kirchmoosstraße 12, 88353 Kißlegg wies bis 1853 eine vollständige Dacheindeckung aus Holzschinden auf.[9] Erst 1860 lässt sich aus den Gebäudeschätzungsprotokollen zu diesem Haus entnehmen, dass der Hauptteil des Daches nun mit Dachziegeln gedeckt, und nur noch ein kleiner Teil des Daches mit Schindeln versehen war.[10] Dass auch die Dächer von Kirchtürmen mit Landern bedeckt waren, lässt sich anhand der Holzschindeldächer der Pfarrkirche, Ratzenried und der Spitalkirche, Bärenweiler aufzeigen. Der teilweise an den Schindeldächern der Kirchen ausgeführte rote Ölfarbanstrich, kann als Bauerhaltungsmaßnahme gewertet werden, wie an später folgender Stelle erläutert werden wird. Jedoch kann der Farbanstrich auch als ästhetische Maßnahme, also als Zeichen der Repräsentation angesehen werden, da man durch den roten Farbanstrich der Schindeln die Erscheinung eines teureren, roten und mit Ziegeln eingedeckten Daches visuell imitieren kann. Darstellung von historischen Ortsansichten, wie beispielsweise der Ortsansicht von Kißlegg aus der Zeit um 1700 bis 1750 stellen die Dächer der Gebäude vorwiegend rot dar. Das wirft die Frage auf, ob die darauf abgebildeten Häuser nun realistisch als Gebäude mit roten Ziegeldächern, als Holzschindeldächer mit rotem Farbanstrich, oder als Gebäude mit rotem Ziegeldach und rotem Schindeldach gemeinsam dargestellt wurden. Aus den historischen Quellen zum Wiederaufbau von Kißlegg nach dem Ortsbrand von 1704 geht hervor, dass es seit dieser Zeit bis zum Verschwinden der Nagelschindledächer im 19. Jahrhundert ein Nebeneinander von Ziegelplattendächern und Nagelschindeldächern gab. Wobei nur die höherwertigeren Gebäude wie Wirtshäuser, Kirchen und Schlösser Ziegelplattendächer besaßen und die einfachen Häuser der Untertanen als Nagelschindeldächer ausgeführt waren.

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Abb. 3: Ausschnitt eines 1730 entstandenen Ölgemäldes mit Darstellung der Marienkrönung, Putte hält Pergamentrolle mit Darstellung des Spitals Bärenweiler und Wappenabbildungen, Spitalkirche rechts auf der Pergamentrolle, ausgestellt in der Spitalkirche Bärenweiler; der Szwiebelhelm der Spitalkirche ist rot dargestellt (Philipp Scheitenberger 2014).

Es wäre jedoch eine weiterführende Auswertung von Bauarchivalien nötig, um diesen Aspekt umfassender zu beleuchten.

Anlass des Bauerhalts, behördliches Verfahren und beteiligte Akteure

Am 24. August 1836 wurde zwischen dem Spitalpfleger A. Wörz und dem Färber Xaver Walser,[11] aufgrund der zu dieser Zeit stattfindenden Neueindeckung und Ausbesserung der Schindeldeckung auf dem Dach des Kirchturms der Spitalkirche, Bärenweiler, zur Gewährleistung einer längeren Dauerhaftigkeit des reparierten Holzschindeldaches, ein Akkord-Vertrag zum Anstrich desselben mit roter Ölfarbe ausgehandelt, und schriftlich aufgesetzt.[12] Die Abrechnung der, im Akkord vereinbarten, und vom Akkordant Xaver Walser zu erbringenden, Leistungen sollten dabei auf Grundlage einer durch ihn anzufertigenden Messurkunde nach Abschluss der Arbeiten je angestrichenem „Quadratschuh“[13] Dachfläche abgerechnet werden.[14] Die Erstellung dieser Messurkunde sollte zur Hälfte von der Spitalpflege bezahlt werden. Zwar erfolgte aus unserem heutigen Verständnis betrachtet keine öffentliche Ausschreibung dieses Auftrags, jedoch lässt sich der Quelle entnehmen, dass der Spitalpfleger sich hinsichtlich der für die Anstricharbeiten erforderlichen praktischen Kenntnisse im Vorfeld über die für diese Arbeit in Frage kommenden Handwerker informiert hatte.

„Das Dach auf dem Kirchthurm zu Bärenweiler wird gegenwärtig im Taglohn theils ausgebessert theils neugeschindelt, und sowohl die neuen als die alten Schindeln haben der längeren Dauer wegen einen Anstrich von Oelfarbe nöthig. Xaver Walser von hier hat sich erbothen, diese Arbeit zu übernehmen. Da man nun in der Nähe Niemand wüßt der sich mit diesem Geschäft befassen möchte, so ist mit dem geschulten Walser nachstehender Accord abgeschlossen worden.“[15]

Wie eine solche Angebotseinholung sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Oberamt Wangen gestaltet haben könnte, lässt sich anhand des Wortlautes einer Annonce des Wochenblatts des Oberamts Wangen vom 7. Juli 1829 zur geplanten Ausführung eines Ölfarbanstrichs am Kirchendach der Pfarrkirche, Ratzenried erahnen.

„Der Stiftungsrath zu Razenried hat sich entschlossen den mit Schindeln gedekten Kirchthurm daselbst mit Oel =Farbe anstreichen zu lassen. Es wird deshalb eine Taglohn=Anstreichs=Verhandlung am Mittwoch den 22. d. M. Morgens 9 Uhr im Wirthshaus zu Ratzenried vorgenommen werden, wozu sämmitliche Liebhaber zu dieser Arbeit eingeladen werden. Razenried den 1. July 1829. Der Stiftungsrath.“[16]

Somit erfolgte eine Einholung und Verhandlung von Angeboten zur Verrichtung von handwerklichen Tätigkeiten im Beisammensein der Auftraggeber und der Handwerker als Auftragnehmer häufig wohl auch im Wirtshaus.

Nach dem Wortlaut des benannten Akkord-Vertrages zu urteilen, ging die Initiative zur Veranlassung dieser Bauerhaltungsmaßnahmen am Dach der Spitalkirche Bärenweiler maßgeblich vom Spitalpfleger Wörz aus, jedoch musste für den Abschluss des Akkord-Vertrages mit Xaver Walser und die Durchführung der darin aufgeführten Bauerhaltungsaßnahmen zunächst vom Fürstlich zu Waldburg-Wurzach´schen Ober-Rentamt die höchste Genehmigung eingeholt werden.[17] Diese erforderliche höchste, also durch den Fürsten Leopold zu Waldburg-Zeil-Wurzach erteilte,[18] Genehmigung wurde von dem Beamten des Fürstlichen Ober-Rentamts Bolster am 1. September 1836 in einem Formlosen Schreiben dem Spitalpfleger Wörz übersandt.[19]

Art und Charakterisierung der Bauerhaltungsmaßnahmen

Die an der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche durchgeführten Bauerhaltungsmaßnahmen umfassten einerseits als ersten durchgeführten Schritt die Ausbesserung und Neueindeckung der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms durch einen Dachdecker (Abb. 3), andererseits wurde die Holzschindeldeckung und der sich auf dem Zwiebelhelm befindliche Knauf und das Turmdachgesims durch den Färber Xaver Walser mit roter Ölfarbe angestrichen (Abb. 3, Abb. 5 und Abb. 7), vor allem um eine längerer Dauerhaftigkeit der Holzschindeln zu gewährleisten.[20] Insgesamt dreimal sollte dieser Anstrich ausgeführt, und dabei darauf geachtet werden, dass nach jedem Anstrich der darauffolgende erst nach Trocknung des vorhergehenden aufzubringen sei. Zudem sollte Xaver Walser im Zuge seiner Anstreicher-Tätigkeit auch noch die Fassung der Uhrentafeln und Zeiger der Turmuhr erneuern, also diese wieder in ihren Ursprungszustand versetzen.

„Akkordant hat auch bey dieser Gelegenheit die Uhren Tafeln und zeiger am Thurm zu renovieren, d.h. wieder so anzustreichen, wie sie angestrichen u. beziehungsweise mit Oelfarbe vergoldet waren.“[21]

Da diese zuletzt genannte Arbeit, als nicht leicht durchführbar angesehen wurde, sollte diese nicht im Akkord- sondern im Taglohn bezahlt werden, und auch die Kosten der dafür benötigten Materialien wurden nicht wie etwa die Ölfarbe für das Dach mittels des Akkordlohns abgerechnet, sondern von der Spitalpflege separat bezahlt.[22]

Wichtig für die Spitalpflege war bei der Durchführung der Bauerhaltungsmaßnahmen am Turmdach der Kapelle die zeitlich effiziente Nutzung des am Turm angebrachten Gerüstes, das für die Arbeiten der Maurer und Dachdecker aufgerichtet worden war (Abb. 4).[23]

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Abb. 4: Fotografie der eingerüsteten Pfarrkirche, Kißlegg; im Bereich des Glockenstuhles wurde  im Zuge von Sanierungsarbeiten am Dach der Kirche in den Jahren 1876/77 ein Hängegerüst angebracht, im Vordergrund sind Gärtner bei der Anlage des Englischen Landschaftspark des „Neuen Schloss“ Kißlegg zu sehen (Fotograf und Jahr nicht bekannt).

 

Eine aufschlussreiche Quelle, um die im Akkordvertrag festgeschriebenen Anstreicharbeiten am Turmdach der Kapelle genauer zu charakterisieren zu können, stellt die Messurkunde dar, die Xaver Walser zusammen mit dem Geometer Alois Wörz bereits am 12. September 1836 als Basis zur Abrechnung seines Akkordlohns erstellte (Abb. 6).[24] Somit wird zunächst deutlich, dass Xaver Walser die Anstreicharbeiten im Zeitraum vom 1. bis 12. September durchgeführt hatte. Weiterhin geht aus dieser Quelle hervor, dass Xaver Walser neben dem Gesims unterhalb des Glockenstuhls der Kapelle auch einen sieben Schuh breiten,[25] an den Fußpunkt des Zwiebelhelms anschließenden, ringsum den Turm verlaufenden Wandstreifen mit roter Ölfarbe angestrichen hatte.[26]

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Abb. 5: Ausschnitt mit Abbildung der Spitalkirche Bärenweiler auf einem 1730 entstandenen Ölgemäldes mit Darstellung der Marienkrönung und Darstellung des Spitals Bärenweiler; die Dachhaut des Zwiebelhelms ist rot dargestellt (Philipp Scheitenberger 2014).

Insgesamt ergibt sich, auf Grundlage der in der Messurkunde angeführten Berechnungen, eine Fläche von 1426,32 Quadratschuh (Abb. 6),[27] was umgerechnet ca. einer Fläche von 117 Quadratmetern entspricht, die mit roter Ölfarbe angestrichen wurde. Es errechnet sich damit, bei einem Akkordbetrag von 2,5 Kreuzer pro Quadratschuh, ein Akkordlohn von 3565,80 Kreutzer,[28] was bei dem im Königreich Württemberg geltenden Wertverhältnis von 1 Gulden zu 60 Kreuzer als Akkordlohn umgerechnet einen Betrag von 59 Gulden und 25 Kreuzer ergibt, den Xaver Walser erhielt.[29] In den Pfleg-Rechnungen des Fürstlich Waldburg-Wurzach-Kißleggschen Hospitals, Bärenweiler wird für das Rechnungsjahr 1836 bis 1837 für den 1. November 1836 eine Kostenauszahlung über 59 Gulden, 25 Schilling und 6 Kreuzer an Xaver Walser vermerkt.[30] Um den wahren Erlös von Xaver Walser für diese Arbeit berechnen zu können, müssten davon die Materialkosten für die Ölfarbe abgezogen werden. Der Geometer Alois Wörz erhielt für seine Vermessung, der durch Xaver Walser im Akkordlohn angestrichenen Fläche, einen Betrag von 45 Schilling ausbezahlt.[31] Um den Kaufwert für diese Geldbeträge nachvollziehen zu können, bietet sich ein Blick auf die Lebensmittelpreise dieser Zeit an. Im September 1843 betrug im Oberamt Wangen der Preis für 1 Scheffel Roggen, also einem Hohlmaß von 176,98 Litern,[32] 17 Gulden und 42 Kreuzer. Ein Pfund Schmalz kostete 28 Kreuzer und ein Pfund Butter 20 Kreuzer.[33]

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Abb. 6: Seite eins der von Xaver Walser im Zuge des Anstrichs der Holzschindeldeckung der Spitalkirche, Bärenweiler erstellten Messurkunde: Abbgebildet sind idealisierte Zeichnungen der Kuppeldachflächen des Zwiebelhelms der Spitalkirche (Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg Zeil-Trauchburg, Schloss Zeil).

Denkmalpflegerische Bewertung der Bauerhaltungsmaßnahmen von 1836

Zunächst wird deutlich, dass diese Bauerhaltungsmaßnahme an kein staatlich-behördliches Verfahren geknüpft war, geschweige denn im Zuge der Planung und Durchführung der Maßnahme denkmalpflegerische Gesichtspunkte berücksichtigt wurden, sondern ausschließlich die Behörden der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Wurzach und an höchster Stelle der Fürst auf die Planung und Durchführung der Bauerhaltungsmaßnahmen an der Spitalkirche, Bärenweiler im Jahr 1836 einwirkten.

Eine Ausschreibung der durchzuführenden Bauerhaltungsmaßnahmen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure beziehungsweise eine Öffentliche Kommunale Ausschreibung, wie in heutiger Zeit üblich, erfolgte nicht, jedoch verschaffte sich der Spitalpfleger im Vorfeld der Vergabe der Baumaßnahmen einen Überblick über für eine Beauftragung in Frage kommenden und an der Durchführung dieser Bauerhaltungsmaßnahme interessierten Bauhandwerker. Ob dies in eher lockerem Rahmen, wie am Beispiel von Ratzenried verdeutlicht, bei einem Treffen im Wirtshaus geschah lässt sich für die Bauerhaltungsmaßnahme am Dach der Spitalkirche, Bärenweiler im Jahr 1836 anhand der Quellen nicht nachvollziehen. Denkbar wäre es hingegen schon, denn Kißlegger Handwerker berichten, dass bis in die 1990er Jahre sich viele Kißlegger Handwerker an Werktagen vormittags in Kißlegg im Gasthaus, Ochsen trafen, um dort eine Brotzeit zu machen und auch Geschäfte miteinander abzuschließen.[34]

Eine gesetzliche Handhabe zur Einwirkung auf Bauvorhaben, die denkmalgeschützte Gebäude gefährden oder zumindest betreffen könnten, ergab sich für die Württembergische Denkmalpflege erst durch den Erlass einer entsprechenden Bauordnung im Jahr 1910, die auch den Schutz von Denkmälern mit berücksichtigte.[35] Die Spitalkirche, Bärenweiler war sicher auch nicht durch die, im ehemaligen Königreich Württemberg erst ab dem Jahr 1858 von „[…] Conservator[s] […]“[36] Konrad Dietrich Haßler durchgeführte Denkmalinventarisation, unter Denkmalschutz gestellt worden, da zunächst die Denkmalinventarisierung von Altertümern und ähnlichen aus der Sicht der Zeit bedeutenderen Denkmalen im Fokus stand.[37] Erst der Landeskonservator Eugen Gradmann weitete den Denkmalbegriff für die Inventarisation ab ca. 1912 auch auf heimatgeschichtliche Zeugnisse wie Dorfkirchen aus,[38] und erst in den 1920er Jahren versuchte die württembergische Denkmalpflege auch auf dem „Land“ in den Oberämtern über die Schaffung von „[…] Pflegschaften […]“[39], also durch freiwillige Helfer gebildete, Bezirksorgane zu etablieren, die im Sinne des Heimatschutzes neben den lokal agierenden Baugenehmigungsbehörden der Kommunen etc. auch in der Provinz auf die Umsetzung von Gesetzesregelungen zum Denkmalschutz achteten, und regelmäßig aus den „Provinzen“ „[…] über alle Vorgänge im Lande, die irgendeine Abteilung der Denkmalpflege betrafen, an das Landesamt […]“[40] für Denkmalpflege in Württemberg Bericht erstatteten.[41]

Somit lässt sich der Bauerhalt an der Schindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche, Bärenweiler als reine Bauerhaltungsmaßnahme ohne denkmalpflegerische Intention und Kontrolle charakterisieren, die nur darauf abzielte, die Funktion der Dachhaut als Witterungsschutz für die Wand und Decken bildenden Bauteile, sowie die Innenraumausstattung des Glockenturms der Spitalkirche und dessen die Dachhaut tragenden Dachgerüstes wieder vor Witterungseinflüssen, also besonders vor Niederschlag, und somit vor Fäulnis und Zerfall schützen zu können.[42] Damit wird zunächst eine ausgesprochen pragmatische Intention deutlich, die dieser Bauerhaltungsmaßnahme zu Grunde lag. Einzig der Anstrich der Holzschindeldeckung mit roter Ölfarbe kann, neben einer damit verbundenen Hoffnung auf eine Erhöhung der Lebensdauer der Holzschindeln von Seiten des Spitalpflegers, auch als ästhetisch-visuelle Maßnahme gesehen werden, welche die Ansehnlichkeit des Daches der Spitalkirche erhöhen, und somit auch mittels der Imitation einer Ziegeleindeckung durch die rote Farbe das in Stand gesetzte Dach, über das ihm eigentlich innewohnende Maß, in Wert stellen sollte.

Es handelt sich bei dieser Bauerhaltungsmaßnahme um eine handwerkliche Reparatur, die auf dem empirisch erworbenen und aus vergangener Zeit tradierten Wissen der ausführenden Handwerker zur Eindeckung und Reparatur von Schindeldeckungen basierte, die wie aufgezeigt eine für diese Region typische Dachdeckungsart darstellte. Dies gilt auch für das Handwerkswissen des Färbers Xaver Walser (Abb. 7), der den Farbanstrich der Schindeldeckung ausführte, denn von seinem Vater Bernhard Walser, wie später auch von seinem Bruder Alois Walser, wurde neben dem Färberhandwerk seit der Mitte des 18. Jahrhunderts auch das Fassmalerhandwerk ausgeübt, somit war das Wissen zur Verwendung der Farbe in der Familie Walser vorhanden.[43]

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Abb. 7: Gemälde des Färbermeisters Xaver Walser im Alter von 61 Jahren; Xaver Walser führte am Dach der Spitalkirche Bärenweiler 1836 einen roten Anstrich aus und fertigte ein Aufmaß des Zwiebelhelm des Glockenturms an(Bestand Haus Walser; Maler: Alois Walser 1837; Foto: Philipp Scheitenberger).

Die Schindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche, Bärenweiler wurde repariert, und somit nicht völlig entfernt und ersetzt, sondern es wurden nur die kaputten Schindeln entfernt, und diese durch neue Schindeln ausgetauscht. Damit entspricht diese Bauerhaltungsmaßnahme bereits dem von Michael Petzet und Andreas Mader im Jahr 1993 angemahnten „[…] Vorrang der Reparatur […]“[44], als einem der wichtigsten Grundsätze und Methoden der Denkmalpflege bei der Durchführung von Bauerhaltungsmaßnahmen an Denkmalen,[45] ohne dass dies durch denkmalfachliche Expertise, die ohnehin nicht gegeben war, hinsichtlich der Wiederherstellung der Funktion des Zwiebeldaches der Spitalkirche von Seiten des Spitalpflegers, der Fürstlichen Domänenkanzlei oder des Fürsten als oberste Genehmigungsinstanz zur Wahrung der Denkmalwerte der Spitalkirche im Zuge des behördlichen Verfahren explizit gefordert worden wäre. Somit galt aus dem Praxisverständnis der Handwerker resultierend bereits Petzet und Maders Grundsatz.

„Daß in der in der Denkmalpflege die Beschränkung auf das unbedingt Notwendige und damit zunächst einmal die dem tatsächlichen Schadensausmaß angepasste Reparatur geboten ist – dass die Mauer gesichert und ausgebessert, der an einigen Stellen abgefallene Verputz ergänzt, die Dachdeckung nachgesteckt, die schlecht schließenden Fenster, die alte Tür ausgebessert werden soll usw. – all das erfordert oft ein gewaltiges Umdenken, nicht nur bei Planern und Handwerkern, sondern erst recht beim Eigentümer.“[46]

Die Reparatur als Maßnahme zur Instandsetzung eines Gebäudes, kann nach Petzet und Mader für ein Bauteil nur dann erfolgen, wenn dessen Funktion durch den zu behebenden Schaden nicht komplett ausgefallen ist.[47] Um dies zu vermeiden werden Instandhaltungsmaßnahmen an Bauteilen von Gebäuden notwendig, um ihrer Abnutzung entgegenzuwirken, und somit ihren Funktionserhalt zu gewährleisten.[48] Der Farbanstrich den Xaver Walser an der Holzschindeldeckung ausführte, sollte, wie vom Spitalpfleger im Akkord-Vertrag notiert wurde, genau dazu dienen, also die Dauerhaftigkeit der Holzschindeldeckung zu erhöhen. Dieser Anstrich wäre jedoch, wenn er hautbildend gewesen wäre, nach Rau und Braune eher nachteilig für die Dauerhaftigkeit der Schindeldeckung gewesen, da er zu einseitigen Oberflächenspannungen auf der Schindel führt.[49]

Dass die Reparatur von schadhaften Bauteilen von Baudenkmalen oberste Prämisse der praktischen Denkmalpflege sein sollte, und dafür ein Umdenken der Planer und Handwerker etc. notwendig ist, wäre als denkmalpflegerischer Appell somit für die Bauerhaltungsmaßnahme am Holzschindeldach der Spitalkirche, Bärenweiler nicht nötig gewesen, um eine denkmalgerechte Instandsetzung von diesem anzumahnen, und schließlich im besten Fall zu erreichen. Allein tradiertes und aus der Erfahrung geprüftes handwerkliches Wissen sowie eine pragmatische und höchstwahrscheinlich Ressourcen schonende Intention des Auftraggebers führten 1836 in Bärenweiler dazu, dass die Spitalkirche, Bärenweiler trotz Eingriffe in deren Bausubstanz im Zuge der Bauerhaltungsmaßnahmen an der Dachhaut ihre Authentizität als durch die Kulturpraktiken und Ressourcen der Region geprägtes bauliches Geschichtszeugnis bewahren konnte.

Die wohl nicht verformungsgetreue, jedoch trotzdem als Quelle verwendbare Messurkunde (Abb. 6), welche die Dachflächen des ehemaligen Zwiebeldaches der Spitalkirche, Bärenweiler dokumentiert, kann man bereits als eine Vorstufe der, wenn auch nicht zu diesem Zweck ausgeführten, heute vor jeder größeren Baumaßnahme an einem Baudenkmal geforderten, Baudokumentation ansehen und somit als eine Art nachträglich durchgeführte Grundlagenermittlung betrachten, die jedoch nur aus Gründen der Abrechnung des Akkord-Lohns von Xaver Walser angefertigt wurde, und nicht als willentlich durchgeführte Dokumentation.[50]

1884 und 1903: Installation und Reparatur der Weißblecheindeckung

Dacheindeckungen aus Metallblechen können nur auf einem mit Brettern verschalten Dachgerüst installiert werden.[51] Dacheindeckungen aus Weißblech bestehen meist aus rechteckigen Blechtafeln, die an ihren Stoßkanten mit Falzverbindungen verbunden werden und mittels darin eingebogenen, in Fachbüchern zum Dachdeckerhandwerk des 19. Jahrhunderts auch Heftblech genannten,[52] Blechhaften mit Nägeln auf die Bretterverschalung des Daches genagelt werden.[53] Diese Technik wird auch in der Handwerkspraxis des heutigen Spenglerberufs in technisch verbesserter Form noch immer verwendet, um Blechtafeln als Dacheindeckung auf mit Brettern verschalten Dachgerüsten zu installieren.[54]

Als Weißblech wird verzinntes Eisenblech bezeichnet, das zunächst als schwarzes Eisenblech mittels Wasserkraft angetriebener Hammerwerke in Hammerschmieden häufig im Umfeld städtischer Absatzmärkte hergestellt wurde.[55] Hammerschmieden fanden sich seit dem Mittelalter, aufgrund ihres hohen Verbrauchs an Holzkohle, oft in waldreichen Gebieten außerhalb der eigentlichen Erzabbau- und Erzverhüttungsgebiete, da für das Bergbauwesen, also beispielsweise für die Anlage von Stollen und Grubenabstützungen, auch eine große Menge an Bauholz benötigt wurde, und somit im Umkreis von Bergbaugebieten Holz zur knappen Schlüsselressource wurde.[56] Zudem war durch die Verwendung von Wasserkraft als Antriebskraft der Hammerwerke für deren Standort ebenfalls eine Region mit Gewässersystemen von ausreichendem Volumenstrom und Flussbettgefälle notwendig.[57]

Eine ausgeprägte, auf den Handel ausgerichtete, Weißblechproduktion fand im 17. Jahrhundert vor allem in den Bergbauregionen des Erzgebirges sowie im Laufe des 18. Jahrhunderts zunehmend im früh industrialisierten Großbritannien statt.[58] Bereits ab dem 18. Jahrhundert erfolgte ein reger Exporthandel mit Weißblech durch Großbritannien.[59] Im Jahr 1870 wurden von Großbritannien 100 000 Tonnen Weißblech exportiert.[60] In der im Jahr 1841 publizierten Beschreibung des Oberamts Wangen führt August Friedrich Pauly insgesamt acht wassergetriebene Hammerschmieden im Gebiet des damaligen Oberamts Wangen an.[61] Bei diesen Hammerschmieden handelte es sich höchstwahrscheinlich um Handwerksbetriebe, denn Pauly nennt auch eine „[…] fabrikmäßige Hammerschmiede (bei Wangen) […]“[62] sowie einen „[…] Kupferhammer (bei Neutrauchburg)“[63].[64] Somit wird deutlich, dass um das Jahr 1841 im Oberamt Wangen Metallbleche zeitgleich industriell in Fabriken und handwerklich in wassergetriebenen Hammerschmieden hergestellt wurden.[65]

Dass bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Blechtafeln für die Reparatur oder Neueindeckung von Metallblechdachdeckungen in Oberschwaben noch von den ausführenden Metallhandwerkern selbst hergestellt wurden, belegt beispielhaft eine Notiz, die in einem Kostenvoranschlag des Werkmeisters Gerster betreffs der Sanierung der Kupferblecheindeckung der Hauptkuppel der Basilika, Weingarten entstammt.[66] Hier wurde für die Kupferschmiedearbeiten nicht fertiges Kupferblech sondern unverarbeitetes Kupfer und Kohlen angeführt. Somit wird deutlich, dass der aus Weingarten stammende Kupferschmied Hieber das für seine Arbeiten benötigte Kupferblech selbst ausgeschmiedete haben könnte.[67]

Dachdeckungen von Kirchturmhelmen aus Weißblech sind zu dem Zeitpunkt als die Spitalkirche, Bärenweiler ihre Blechdeckung erhielt beispielsweise im Oberamt Bad Waldsee bereits seit 1765 an der ehemaligen Stiftskirche Bad Waldsee nachweisbar,[69] deren Turmhelm bis ins Jahr 1912 mit Sturzblech gedeckt war.[68] Auch dass Weißblechdachdeckungen mit einem rötlich-braunen Anstrich versehen wurden, ist für diese Kirche für das Jahr 1834 nachzuweisen.[70] Beim Sturzblech handelt es sich um die beste Qualitätsstufe der dicksten Variante des als Kreuzblech bezeichneten schwarzen Eisenbleches.[71]

Anlass des Bauerhalts, behördliches Verfahren und beteiligte Akteure

Im Jahr 1884 zeigte sich nach eingehender Untersuchung durch einen Bautechniker, die vom Pfleger des Hospitals, Bärenweiler veranlasst worden war, dass die schadhafte Schindeldachdeckung des Zwiebelhelms des Turms der Spitalkirche nicht mehr reparabel war, und durch eine neue Dachdeckung aus Weißblech ersetzt werden musste.[72]

Hinsichtlich der geplanten Neuanbringung eines Blechdaches stellte der Spitalpfleger Dentler bei der Hochfürstlichen Domänenkanzlei, Wurzach eine Anfrage auf Hohe Genehmigung durch Fürst Eberhard zu Walburg-Zeil-Wurzach.[73] Dieses Schreiben enthält, neben der verhältnismäßig genauen Darstellung der erforderlichen Renovationsmaßnahmen und benötigten Materialien, auch eine Kostenschätzung, die auf 800 Mark Gesamtkosten angesetzt wird.[74] Zudem wurde in dieser amtlichen Korrespondenz angemerkt, dass eine Art Ausschreibungsverfahren durchgeführt werden sollte, im Zuge dessen eine Reihe von Spenglern hinsichtlich der anstehenden Dacherneuerung „[…] Offerten […]“[75], also Angebote, einreichen sollten.[76]

Ein am 24. August 1884 aufgesetzter Akkord-Vertrag zwischen dem Spitalpfleger und den beiden Spenglermeistern Lorenz Heim und Felix Walser, die beide ein gleich hohes Angebot eingereicht hatten und daraufhin beschlossen die Arbeiten gemeinsam auszuführen,  liegt zwar im Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil vor, wurde jedoch von den Vertragsparteien nicht unterschrieben.[77] Einzig die auf den 6. November 1884 datierte Urkunde aus der Kapsel des Turmknaufs der Spitalkirche, in der die Errichtung des Weißblechdaches dokumentiert wurde, gibt Aufschluss darüber, dass der Akkord-Vertrag zwischen dem Spitalpfleger Fidel Dentler und den Spenglermeistern Lorenz Heim sowie Felix Walser zustande gekommen war.[78]

Art und Charakterisierung der Bauerhaltungsmaßnahmen

„Guter Gottt, laß diesen Thurm lange bestand haben und nie durch ein Unglück zerstört werden.“[79]

Diese Worte vermerkte der Spitalpfleger Fidel Dentler in der am 6. November 1884 abgefassten „Turmurkunde“ der Spitalkirche, die nach Abschluss der Neuanbringung eines Weißblechdaches auf der Kuppel des Kapellenturms in einer Kapsel in dessen Turmknauf deponiert wurde, und lässt zwischen den Zeilen einer Bitte um göttlichen Beistand erkennen, dass der Spitalpfleger um die Dauerhaftigkeit des Daches besorgt war, was auf die Angst vor drohenden Blitzeinschlägen in das neue Blechdach zurückzuführen ist. Im Jahr 1903 wurde auf Veranlassung des ehemaligen Spitalpflegers Dentler -zu diesem Zeitpunkt Spitalkaplan- ein Blitzableiter auf dem Turmdach der Spitalkirche errichtet, um damit „[…] einem längst gefühlten Mangel Rechnung […]“[80] zu tragen.[81]

Was unter dem Begriff Weißblechdeckung, die auf der Kuppel des Turms der Spitalkirche, Bärenweiler im Jahr 1884 angebracht werden sollte, verstanden werden kann, lässt sich anhand der Bauakten des Spitals ableiten.[82] Demnach sollte verbleites Eisenblech für das neu zu errichtende Blechdach verwendet werden, das wie im Akkord-Vertrag aufgeführt wurde in der Zeit um das Jahr 1884 unter dem Namen Glanzblech DLXX im Fachhandel beziehbar war, und das pro Quadratmeter ein Gewicht von 3,5 Kilogramm aufwies.[83] Nach Konsultation, der für diese Arbeit verfügbaren Fachliteratur zum Praktischen Spenglerhandwerk aus der Zeit um 1900, ließ sich ein Blech mit dieser Handelsbezeichnung nicht finden, jedoch besteht die Möglichkeit über den Zahlenwert 570, der aus Bezeichnung des Glanzblechs mit der römischen Zahl DLXX hervorgeht, einen Rückschluss auf eine etwaig durch diesen Handelsnamen zum Ausdruck kommende Materialstärke oder der Größe des verwendeten Blechs tätigen. In dem von Professor Franz Dreher im Jahr 1903 publizierten Handbuch „Katechismus der Klempnerei“ findet sich ein Tabelle zu den in der Zeit um 1900 handelsüblichen Eisenblechen, aus der hervorgeht, dass es sich bei dem Glanzblech DLXX um ein 0,44 mm starkes Blech mit den Plattenmaßen von 630 mm x 1570 mm und mit einem Gewicht von 3,5 Kilogramm pro Quadratmeter gehandelt haben könnte.[84] Die Verfügbarkeit von gehandelten Eisenblechen könnte aufgrund des Anschlusses  Kißleggs an das südwestdeutsche Eisenbahnnetz mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Leutkirch-Kißlegg am 01. September 1872 deutlich gestiegen sein, und, aufgrund der damit logischerweise einhergehenden sinkenden Transportkosten, die Preise der Eisenbleche tendenziell gesunken sein.[85] Der Spengler Felix Walser war im Besitz seit 1875 im Besitz einer Eisenbahnkarte.[86] Zudem fanden sich in seinem Haus mit dazugehöriger Spengler-Werkstatt, Kirchmoosstraße 12, 88353 Kißlegg diverse Warenkataloge aus der Zeit von 1880 bis 1950, die nahelegen, dass Felix Walser aufgrund des Anschlusses von Kißlegg an das süddeutsche Eisenbahnnetz mittels des Eisenbahngüterverkehrs verstärkt Material bezogen haben könnte.[87]

Die im Akkord-Vertrag aufgeführte Vorbehandlung, der am Turmdach zu verbauenden, Eisenbleche mit einem einmaligen inneren Anstrich und dreimaligem äußeren Anstrich mit guter Ölfarbe, findet sich bereits als Empfehlung für die Behandlung von Eisenblechdächern in dem, von dem Dresdner Baumeister Carl Ludwig Matthaeij verfassten, und 1833 publizierten, Handbuch „Der vollkommene Dachdecker“ wieder.[88] In Rückgriff auf die Beschreibungen zur Verarbeitung von Eisenblech als Dachdeckungsmaterial durch Carl Ludwig Matthaeij und dem Hinweis aus den Bauakten, dass die für die Eindeckungsarbeiten benötigten Heftbleche und Stahlgräten gesondert abgerechnet werden sollten,[89] lässt sich rekonstruieren, dass die Weißblechtafeln mittels Falzen verbunden worden sein müssten, und durch Verwendung von darin eingefalzten Blechhaften, wie der Spengler heute sagen würde, die mit Stahlnägeln von außen an der Bretterverschalung des Dachstuhls des Zwiebelhelms der Spitalkirche angebracht worden sein könnten. Carl Ludwig Matthaeij stellt diese Technik auf einer Schautafel seines Dachdecker Handbuchs dar.

Im Kontrast zur Reparatur des ehemaligen Schindeldaches des Turms der Spitalkirche im Jahr 1836, im Zuge welcher Xaver Walser auch die Fassung der Turmuhren und des Knaufs des Turmdaches wiederherstellte, übernahmen die Malerarbeiten im Zuge der Renovierung des Kapellendaches im Jahr 1884 nicht die Spengler, sondern der Maler Müller aus Kißlegg. Er vergoldete den „[…] noch gut erhaltene[n] kupferne[n] Knopf auf dem Halm der Kuppel […], des gleichen das Kreutz, die Zifferblätter u. Zeiger [der Turmuhr […]“[90]. Das Baugerüst wurde von Zimmerermeister Dorn aus Kißlegg errichtet.[91]

Die Kosten der Installation der neuen Weißblecheindeckung auf dem Turmdach der Spitalkirche wurden von Spitalpfleger Dentler auf ca. 800 Mark geschätzt.[92] Im Akkord-Vertrag mit den Spenglern wurde eine Akkord-Vergütung von 6 Mark und 30 Pfennig pro Quadratmeter verlegtem Weißblech vereinbart, was sich wiederum auch anhand der Turmurkunde aus dem Knauf des Zwiebelhelms der Spitalkirche bestätigen lässt, in der diese Akkord-Vergütung aufgeführt wurde.[93] Die schlussendlichen Kosten für das neu angefertigte Weißblechdach sind schwer zu ermitteln, da die Messurkunde zur im Akkord-Vertrag geforderten Vermessung der Blechdaches, als Grundlage für die Ausbezahlung des Akkord-Lohnes der beiden Spengler im Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil nicht erhalten geblieben ist. Im aufgesetzten Akkord-Vertrag wurde der Schätzwert vermerkt, dass eine Fläche von 100 Quadratmetern mit Weißblech zu bedecken sei, wobei in einem von Spitalpfleger Dentler zuvor an die Fürstlich Waldburg-Wurzach-Zeil´sche Domänenkanzlei, in Bad Wurzach gerichteten Schreiben eine erwartete einzudeckende Fläche von 120 Quadratmeter angegeben wurde. Somit könnten die Kosten für die installierte Weißblecheindeckung zwischen 630 Mark und 756 Mark gelegen haben.[94] Eine Bezahlung der Installation des Weißblechdaches sollte laut Akkord-Vertrag erst nach einer Bauabnahme und auf Grundlage der durch Vermessung ermittelten neu eingedeckten Dachfläche erfolgen.[95]

Die hohen Kosten für die Weißblecheindeckung wurden hinsichtlich einer erwarteten längeren Dauerhaftigkeit dieser in Kauf genommen.[96] Jedoch ergab sich bereits im Jahr 1903 der Bedarf die installierte Weißblecheindeckung des Turms der Spitalkirche zu reparieren.[97] Somit erfüllte sich in diesem Fall die Einschätzung von Carl Ludwig Matthaeij, die dieser zur erwartbaren Beständigkeit solcher Weißblechdachdeckungen in seinem Handbuch „Der Vollkommene Dachdecker“ bereits im Jahr 1833 konstatierte.[98]

Das zu dieser Dachdeckungsart anzuwendende Blech muß – soll die Eindeckung ihrem Zweck ganz vollkommen entsprechen – das beste sein, welches, hinsichtlich der außerdem früher oder später, doch stets bald zu erwartenden und unvermeidlich eintretenden Reparaturen, auch das wohlfeilste ist.[99]

19 Jahre nach der Installation des Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche, Bärenweiler durch die Spengler Walser und Heim kommentiert der damalige Spitalmeister Weiland die im Jahr 1903 am Dach der Spitalkirche durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen.

Das im Jahr 1884 anstatt der Schindeln auf der Turmkuppel in Bärenweiler angebrachte Weißblech zeigte sich stark rostig, so dass dasselbe mit einem 3 maligen Oelfarbanstrich versehen werden musste. Zu diesem Zweck wurde der Turm eingerüstet, der Turmknopf samt Kreuz neu vergoldet und auch das Mauerwerk des Turms ausgebessert.[100]

Somit zeigte sich trotz der Annahme, dass die Weißblecheindeckung auf dem Turmdach der Spitalkirche dauerhafter und nicht so oft zu warten wäre, dass diese bereits nach 19 Jahren mit einem neuen Anstrich versehen werden musste, zwar weniger wartungsintensiv als eine Holzschindeldeckung war, jedoch trotzdem im Intervall von ca. 20 Jahren Bauerhaltungsmaßnahmen zum Erhalt der Blecheindeckung durchgeführt werden mussten.

Denkmalpflegerische Bewertung der Bauerhaltungsmaßnahmen

Wie bereits bei der denkmalpflegerischen Bewertung der Bauerhaltungsmaßnahme an der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche im Jahr 1836 erläutert, ist eine Einflussnahme der staatlichen Württembergischen Denkmalpflege auf die Bauerhaltungsmaßnahme am Dach des Glockenturms der Spitalkirche im Jahr 1884 ebenfalls auszuschließen. Das an diese Bauerhaltungsmaßnahme geknüpfte behördliche Verfahren scheint wiederum ausschließlich an den Verwaltungsapparat der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Wurzach gebunden gewesen sein.

Die Einholung von Angeboten für die auszuführenden Spenglerarbeiten weist bereits Parallelen zu einer öffentlichen Ausschreibung der heutigen Zeit auf. Ungewöhnlich ist, dass die beiden Spengler nicht im Vorfeld der Vergabe eine Arbeitsgemeinschaft, also im heutigen Sinne eine Arge, bilden, sondern im Zuge der Vergabeverhandlungen. Zudem stellt sich die Frage, ob nicht einer der beiden Spengler auf irgendeinem Weg erfahren hatte wie hoch das Angebot des anderen war, und deswegen ein gleich hohes Angebot eingereicht hatte, oder ob die Gewinnspanne bei solchen im Akkord durchgeführten Arbeiten, hinsichtlich des im Angebot aufgeführten Akkord-Lohns, aufgrund von hohem Konkurrenzdruck entsprechend gering war, was dazu geführt haben könnte, dass die Angebotspreise der beiden Flaschner sich entsprechend angeglichen hatten.

Als Gutachter wurde im Vorfeld der Vergabe zur Maßnahmenfeststellung ein Bautechniker eingeschaltet, um eine Expertise zu den Möglichkeiten des Erhaltes der Holzschindeldeckung der Spitalkirche, Bärenweiler abzugeben, welche darin mündete, dass der Bautechniker dem Spitalpfleger empfahl diese durch eine Eindeckung aus Weißblech zu ersetzen. Was damit deutlich wird ist, dass der Bautechniker eine Dachdeckungsart empfiehlt, die Carl Ludwig Mattheaij bereits im Jahr 1833 „[…] nicht zu den zweckmäßigsten, noch weniger zu den wohlfeilsten […]“ zählt. Dies könnte am ehesten darauf zurückzuführen sein, dass Weißblech, wie bereits an vorangegangener Stelle dieser Arbeit angeführt, im Laufe des 19., jedoch vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu einem günstig beziehbaren Baumaterial wurde, was beispielsweise auch an den Exportmengen von Weißblech durch Großbritannien im Jahr 1870 in Höhe von 100 000 Tonnen deutlich wurde.[101]

Der Umstand, dass ein Bautechniker als Gutachter auftritt, lässt sich zurückführen auf die, sich seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Königreich-Württemberg entwickelnden, schulischen Weiterbildungseinrichtungen für Handwerker.[102] Einerseits bot sich dadurch für Handwerker auf dem Land wie auch in der Stadt die Möglichkeit sich durch den Besuch von handwerklichen und gewerblichen Abend- oder Sonntagsschulen sowie freiwilligen Fortbildungsschulen beispielsweise in geometrischem Zeichnen weiterzubilden,[103] andererseits etablierte sich auch die Realschule und das Polytechnikum, wie etwa die heute unter dem Namen „Hochschule für Technik“ bekannte Fachhochschule, die vormals bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zum mittleren Schulwesen zählte,[104] und neben vielen anderen Bezeichnungen einst den Namen „Königlich Württembergische Baugewerksschule“[105] trug.[106] An der „Hochschule für Technik, Stuttgart“ konnten sich Handwerker auch zu Bautechnikern oder Architekten weiterbilden,[107] die dann höchstwahrscheinlich wiederum als Verwaltungsangestellte in den Behörden der Oberämter, oder, wie das in dieser Arbeit besprochene Beispiel zeigt, zeitweilig im Dienst des Adels stehend, im Vorfeld von Bauerhaltungsmaßnahmen, Baugutachten erstellten. Somit lässt sich eine Beeinflussung in der technischen Praxis des Bauerhalts durch schulisch ausgebildete, also nicht mehr in der Tradition des überlieferten Handwerkswissens stehende, sondern mit den neusten Methoden und Techniken des Bauens vertraute, Bautechniker nachweisen. Das Urteil die bestehende Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche, Bärenweiler durch eine Deckung aus Weißblech zu ersetzen, lässt sich somit klar in Zusammenhang bringen mit der fortschreitenden Industrialisierung und Technisierung in Württemberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dem großen Angebot an exportiertem oder inländisch hergestellten industriell erzeugtem Weißblech, und dem daran geknüpften stetig an Bedeutung zunehmenden Schul- und Fortbildungssystem für Bauhandwerker.

Ein weiterer Umstand, der hinsichtlich der Neueindeckung des Zwiebeldaches der Spitalkirche ebenfalls in die Bewertung dieser Bauerhaltungsmaßnahme miteinbezogen werden muss ist, dass bis zum Erlass der Königlich-Württembergischen-Gewerbeordnung vom 12.02.1862 im Königreich Württemberg noch die „[…] zunftweise Beschränkung der Produktion auf bestimmte Güter […] erhalten […]“[108] blieb.[109] Der Spengler Felix Walser, der zusammen mit Lorenz Heim die Weißblecheindeckung installierte, gehört zum ersten Vertreter seiner Familie, der aufgrund, der seit 1862 bestehenden Gewerbeverordnung den Handwerkszweig vom Färberwesen hin zur Spenglerei wechseln konnte.[110] Was er auch sogleich tat und den Beruf des Spenglers erlernte.[111] Im Zusammenhang mit dieser Freisetzung des Handwerks in alle möglichen Berufszweige des Handwerks, die nun allesamt ohne Zunftzwang erlernbar waren, könnte man auch einen Rückgang des empirisch erworbenen, sowie über Generationen tradierten, Handwerkswissen und eine Zunahme des Aufkommens von neuen Materialien und Techniken im Spenglerhandwerk, ausgelöst durch die späte Industrialisierung und Technisierung Württembergs, vermuten.[112] Dass diese neuen teils nicht auf Bewährung erprobten Materialien und Techniken zum einen dazu führten, dass sie bislang gebräuchliche Techniken verdrängten und damit verbundene Bauerhaltungsmaßnahmen und auch daran geknüpfte handwerkliche Praktiken, Baumaterialproduktionsformen und -wege sowie praktische Routinen am Bau im deutschsprachigen Raum regional unterschiedlich veränderten, lässt sich anhand der Neueindeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche mit Weißblech nachvollziehen. Matthaeij als Dresdner Baumeister spricht sich bereits 1833 gegen eine Verwendung von Weißblech als Dacheindeckung aus, wohingegen das Gutachten des Bautechnikers für die Spitalpflege, Bärenweiler noch im Jahr 1884 die Neuinstallation eines Weißblechdaches empfiehlt, welche nicht erfolgen hätte müssen. Die Bewertung des Bautechnikers, dass das Schindeldach der Spitalkirche nicht mehr reparabel sei, weist einerseits daraufhin, dass in den letzten Jahren zuvor nötige Instandhaltungsmaßnahmen am Zwiebeldach der Spitalkirche nicht erfolgten, und könnte auch im Kontext von Ottfried Rau und Ute Braunes Einschätzung zur Lebensdauer von Holzschindeldächern, die von ihnen auf 50 bis 80 Jahren geschätzt wird,[113] eher als paradigmatische Entscheidung eines vom industriellen Fortschritt beseelten und mit neuen Techniken betrauten Bautechnikers zu deuten sein. Jedoch könnte es auch sein, dass aufgrund des gesetzlich verordneten Rückgangs der Schindeldachdeckung, und dem damit einhergehenden Rückgang des Angebots an Holzschindeln,[114] bereits in den 1880er Jahren zu einer Verteuerung der Holzschindeln als Baumaterial geführt hatten, und somit dem Bautechniker die für ihn kostengünstigere und für ihn weniger wartungsanfälliger erscheinende Weißblecheindeckung als Ersatz für das schadhafte Schindeldach empfahl. Aus der Perspektive der zeitgenössischen Denkmalpflege müssen, bevor eine Entscheidung zur Reparatur oder der Erneuerung von Dacheindeckungen getroffen wird, folgende Fragen gestellt werden.

„Die Entscheidung, auszubessern, umzudecken oder neuzudecken, beeinflusst wesentlich die Kosten jeder Sanierungsmaßnahme. Sie wird bestimmt von:

  • dem Zustand des Dachstuhls
  • dem Zustand der Lattung
  • dem Zustand und der Dichtigkeit des Deckungsmaterials“[115]

Dieser Ersatz der Schindeldeckung durch eine Weißblecheindeckung ist aus der heutigen Sicht der Denkmalpflege, im Hinblick auf die hinreichende Funktion eines ordentlich instand gehaltenen Schindeldaches,[116] als eine als Ersatz ausgeführte technische Verbesserung eines historischen Bauteils prinzipiell nicht vorgesehen, da dadurch die Originalität eines Baudenkmals, als ein in historischen Materialien und Handwerkstechniken manifestiertes authentisches Geschichtszeugnis, verändert wird.[117]

Einzig unter dem Aspekt einer schöpferischen Denkmalpflege könnte sich diese Ersatzmaßnahme aus heutiger denkmalpflegerischer Sicht eingliedern lassen,[118] wenngleich dies, im Fall der Neuinstallation des Weißblechdaches auf dem Zwiebelhelm der Spitalkirche, nicht als willentliche denkmalpflegerische Entscheidung zu deuten ist, sondern als technische Verbesserung eines bestehenden Bauteils durch Ersatz.

Diese Bauerhaltungsmaßnahme an der Dachdeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche, Bärenweiler lässt sich nicht nur als materielle und technische Zäsur an dem Dach dieses Gebäudes deuten, sondern es verdeutlicht sich dadurch auch der Bruch mit der handwerklichen Kontinuität der in Holzschindeltechnik ausgeführten Dachdeckungen in Bärenweiler, in Kißlegg, im Oberamt Wangen und darüber hinaus, die im Zuge der Beeinflussung des Bauens und des Bauerhalts im Königreich Württemberg im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch die Technisierung, die Industrialisierung, sowie der Verbreitung der damit zusammenhängenden Innovationen und Paradigmen mittels des sich zeitgleich entwickelnde Schul- und Fortbildungssystem für Bauhandwerker. Auf Grundlage dieser wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Deutung könnte diese Bauerhaltungsmaßnahme aus Sicht der heutigen Denkmalpflege auch nachträglich denkmalpflegerisch interpretiert und gutgeheißen werden, da sich an dem neueingedeckten Weißblechdach in heutiger Zeit, wenn es noch erhalten wäre, eben jener gesellschaftliche Wandel und technische Fortschritt des 19. Jahrhunderts als somit neu entstandener Denkmalwert ablesen lassen hätte können. Jedoch wurde diese Weißblecheindeckung, nachdem sie nötiger Weise im Jahr 1903 aufgrund fortschreitender Korrosion mit einem neuen schützenden Farbanstrich versehen werden musste, im Jahr 1949 durch eine Kupferblecheindeckung ersetzt.

Fazit

Die Baugeschichte der Dacheindeckung der Spitalkirche Bärenweiler ist der Normalfall für die Veränderungen der ursprünglich mit Nagelschindeln gedeckten Kirchenbauten im Allgäu. Am Beispiel der Spitalkirche Bärenweiler zeigt sich wie die Industrialisierung und die Veränderung der Baugesetzgebung im Königreich Bayern im 19. Jahrhundert den Bauerhalt und die Sanierungspraktiken an Kirchendächern hin in Richtung der Verwendung von Blechen als neuen Baustoffen beeinflusste. Im Gegensatz hierzu hat sich an der Filialkirche St. Agatha in Agathazell noch die ursprüngliche Nagelschindeldachdeckung bis heute erhalten. Beim Blick auf die Kirche in Agathazell zeigt sich im Hinblick auf das Dach ein Bild, wie es ursprünglich wohl auch die Spitalkirche Bärenweiler abgegeben hat, bevor man Ihre Nagelschindeldachdeckung des Zwiebelhelms in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Blechdeckung ersetzte. Jedoch stellt sich die Frage, ob nicht auch in Agathazell im Verlauf der Geschichte des Gebäudes das Nagelschindeldach einstmals rot angestrichen war.

Endnoten

[1] Vgl.: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalliste der Gemeinde Burgberg im Allgäu. München 2018.

[2] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil-Trauchburg. Bestand Herrschaft Kißlegg: ZAKI 1034. Bauakten zum Bau des Spitals Bärenweiler.

[3]Vgl.: Eißing 2012, S. 90. Sowie: Rau, Ottfried; Braune, Ute (Hg.): Der Altbau- Renovieren, Restaurieren, Modernisieren. Leinfelden-Echterdingen 1985, S. 194.

Zur Einlattung von Dachgerüsten vergleiche: Schlatter 2005, S. 42f.

[4] Vgl.: Eißing 2012, S. 90.

[5] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Pflege-Rechnungen des Hospitals Bärenweiler; Rechnungsjahr 1882/83, Folio 119.

[6] Vgl.: Büchele, Berthold (Hg.): Ratzenried. Eine Allgäuer Heimatgeschichte. Band III. Leutkirch 1990, S. 439-442. Sowie: Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im württ. Allgäu e.V. (Hg.): Gebäudeatlas württembergisches Allgäu 1996/97. Erhebung heimatpflegerisch bedeutender Gebäude des ländlichen Raumes im württembergischen Allgäu. Kurzbeschreibung. Wangen-Haslach 1997, S. 13f.

Dass im Oberamt Wangen lange die Praxis herrschte Dächer mit Holzschindeln zu decken, belegte auch Rudolf Fessler 1996 anhand der Darstellung von Gebäuden auf der „Wangener Landtafel“ des Johann Andreas Rauch von 1617“. Vgl.: Fesseler, Rudolf. Ein Blick auf die „Wangener Landtafel“ des Johann Andreas Rauch von 1617. Höfe, Weiler und Dorfsiedlungen vor dem Dreißigjährigen Krieg. In: Landkreis Ravensburg (Hg.) Im Oberland. Kultur, Geschichte, Natur. Beiträge aus Oberschwaben und dem Allgäu. 1996/Heft 1. Biberach 1996, S. 31-39.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Baumaterial und Landschaft und der daraus verfügbaren Ressourcen. Vergleiche dazu: Rau; Braune 1985, S. 192.

[7] Vgl.: Büchele 1990, S. 439-442.

[8] Vgl.: Büchele 1990, S. 439-442.

[9] Vgl.: Weiland, Thomas: Hausbuch zum Haus Walser; Hausbesitzerfolge; Eintrag Anton Walser, Flaschner in Kißlegg (unpubliziert). Kißlegg 2013, S. 2f.

[10] Vgl.: Ebd.

[11] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[12] Ebd.

[13] Ab dem Jahr 1806 bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 galt auf dem Gebiet des Königreichs Württemberg das Längenmaß Schuh bzw. Fuß, was einer Länge von 28,649 cm entsprach. Ein Quadratschuh bzw. Quadratfuß entsprach somit 821 Quadratzentimetern. Vgl.: Seyfried, Werner: Maße, Gewichte, Währung und Ortszeit in Württemberg. Auf: derstuttgarter.de. http://www.derstuttgarter.de/kwste/anhang.htm. (Stand: 28.03.2015).

[14] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[15] Ebd.

[16] Königliches Oberamt Wangen (Hg.): Wochen Blatt. Jahrgang IV. Nro. 54. Dienstag den 7. Jule 1829. Wangen 1829, S. 222.

[17] Vgl.: Ebd.

[18] Es handelt sich dabei um den Fürsten Leopold Maria Carl Eberhard zu Waldburg-Zeil-Wurzach, das damalige Oberhaupt einer der drei im Jahr 1803 von Kaiser Franz II. zum Fürstenstand erhobenen gräflichen Häuser der Linie Georg III. Truchsess von Waldburg, der von 1488 bis 1531 lebte, und 1525 den Bauernkrieg niederschlug. Vgl. Bumiller, Casimir: Adel im Wandel. 200 Jahre Mediatisierung in Oberschwaben. Ostfildern 2006, S. 299f.

Diese Aussage beruht auch auf einer entsprechenden Mitteilung des Fürstlich zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee´schen Archivars Dr. Bernd Mayer, der auch die Kunstsammlung der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee im Schloss, Wolfegg verwaltet.

[19] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[20] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[21] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[22]Vgl.: Ebd.

[23] Vgl.: Ebd.

[24] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Messurkunde zur Abrechnung des Akkordvertrages betreffs des Anstrich der Holzschindeldeckung des Turmdaches der Spitalkirche vom 12.09.1836.

Die Kunstsammlung der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee, Schloss Wolfegg beinhaltet ein interessantes Vermessungslehrbuch, das Aufschluss darüber gibt, dass an den Höfen der Reichsgrafen zu Waldburg – ab 1803 Landesfürsten – die Dienerschaft seit dem 17. Jahrhundert auch praktische Vermessungsarbeiten durchgeführt haben könnte, und dort eventuell sogar für diese Tätigkeit ausgebildet wurde. Vgl.: Beutel, Tobias: Geometrischer Lustgärtner. Darinnen die edele und höchstnützliche schöne Kunst Geometria. Aus dem Euclide gepflanzet. Abgetheilt in 2. Bücher / deren das erste de Planis, das andere de Solidis. Daraus man Feldmessen / den Gebrauch der Tabularum Sinuum / Stereometrien / Visier-Kunst / Höhen / Tieffen / Weiten / Breiten / Fälder / Wälder / Teiche / Wiesen / Gärten / Städte / Länder / und körperliche Dinge auszumessen lernen kann, Leipzig 1660.

Unter den Ausstattungsbeständen des Haus Walser, Kirchmoosstraße 12, 88353 Kißlegg findet sich ein Büchlein zum geometrischen Zeichnen, das aus dem Besitz von Felix Walser, dem Enkel von Xaver Walser, stammt. Vgl: Königlich Württembergischer Studienrath: Aufgaben für das geometrische Zeichnen. Zur Einübung der nothwendigsten Konstruktionen. Text mit 32 Skizzen. Stuttgart 1864.

[25] Ab dem Jahr 1806 bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 galt auf dem Gebiet des Königreichs Württemberg das Längenmaß Schuh bzw. Fuß, was einer Länge von 28,649 cm entsprach. Vgl.: Seyfried, Werner: Maße, Gewichte, Währung und Ortszeit in Württemberg. Auf: derstuttgarter.de. http://www.derstuttgarter.de/kwste/anhang.htm. (Stand: 28.03.2015).

[26] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Messurkunde zur Abrechnung des Akkordvertrages betreffs des Anstrich der Holzschindeldeckung des Turmdaches der Spitalkirche vom 12.09.1836.

[27] Ein Quadratschuh bzw. Quadratfuß entsprach somit 821 Quadratzentimetern. Vgl.: Seyfried 2015.

[28] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Accord-Vertrag mit Xaver Walser bezüglich des Anstrichs der Holzschindeldeckung des Zwiebelhelms der Spitalkirche vom 24.08.1836.

[29] Im Königreich Württemberg entsprach im Jahr 1837 ein Gulden dem Wert von 60 Kreuzern. Vgl.: Rittmann, Herbert: Deutsche Geldgeschichte 1484-1914. Battenberg 1975, S. 1044f. Seyfried 2015.

Die Währung Schilling könnte sich auf eine Münze des Münzsystems des Burgundischen Kreises und der Vereinigten Niederlande beziehen, das bis 1795 bestand hatte. Vgl.: Rittmann 1975, S. 681-693.

[30] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Pflege-Rechnungen des Hospitals Bärenweiler; Rechnungsjahr 1836 bis 1837; a.) Baukosten; Posten 33.34.

[31] Vgl.: Ebd.

[32] Der Scheffel galt im Königreich Württemberg als Hohlmaß bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871. Vgl.: Seyfried 2015.

[33] Vgl.: Grimm 1994, S. 122. Ein Pfund entsprach im Königreich Württemberg bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahr 1871 einem Gewicht von 467,728 g. Vgl.: Seyfried 2015.

[34] Diese Aussage beruht auf den mündlichen Mitteleilungen des Flaschnermeister Wolfgang Huber und des Maurergesellen Ulrich Scheitenberger, die beide in Kißlegg wohnen und arbeiten.

[35] Vgl.: Staatliche Ämter für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hg.): Staatliche Denkmalpflege in Württemberg. 1858 – 1958. Stuttgart; Tübingen 1960, S. 16f.

[36] Ebd., S. 13.

[37] Vgl.: Ebd., S. 12-16.

[38] Vgl.: Staatliche Ämter für Denkmalpflege Baden-Württemberg 1960, S. 17f.

[39] Ebd., S. 19.

[40] Ebd., S. 19.

[41] Vgl.: Ebd., S. 18ff.

[42] Vergleiche dazu auch: Kastner, Richard K. (Hg.): Gebäudesanierung. Analyse, Planung, Durchführung. München 1983, S. 149ff.

[43] Vgl.: Weiland 2005, S. 1f.

[44] Petzet, Michael; Mader, Andreas (Hg.): Praktische Denkmalpflege. Stuttgart; Berlin; Köln 1993, S. 43f.

[45] Vgl.: Ebd.

[46] Ebd., S. 43.

[47] Vgl.: Ebd. S. 38ff.

Sowie zum Ausfall von Gebäudebauteilen –  insbesondere die angeführte Grafik: Cramer; Breitling 2007, S. 202f.

[48] Vgl.: Petzet; Mader 1993, S. 43.

Sowie: Cramer; Breitling 2007, S. 2002f.

[49] Vgl.: Rau; Braune 1985, S. 194.

[50] Vgl.: Cramer; Breitling 2007, S. 54-65.

[51] Vgl.: Eißing 2012, S. 90.

[52] Vgl.: Matthaeij, Carl Ludwig: Der vollkommene Dachdecker. Oder Unterricht in allen bis jetzt bekannten vorzüglich anwendbaren und mit unsern Dachconstruktionen und Bauverordnungen vereinbaren Dach bedeckungsarten. In: Gesellschaft von Künstlern, Technologen und Professionisten (Hg.): Neuer Schauplatz der Kuenste und Handwerke. Mit Berücksichtigung der neuesten Erfindungen. Ilmenau 1833, S. 140.

[53] Ebd., S. 139f; S. S, 145ff.

[54] Siepenkort, Klaus (Hg.): Metallarbeiten an Dach und Fassade. Richtig planen. Sicher ausführen. 2. Auflage. Köln 2010, S. 86f; S. 178-182.

In der Fachliteratur werden jedoch auch Quellen aufgeführt, die darauf Hinweisen, dass Metallblecheindeckungen direkt auf die Sparren der Dachgerüste angebracht wurden. Vgl: Kaspar, Fred: Bedeckt und Bedacht. Zur Geschichte von Dachdeckung und Fassadengestaltung in Norddeutschland. Essen 2001, S. 106.

[55] Ebd., S. 146. Vgl. auch: Kramer, Klaus: Installateur – ein Handwerk mit Geschichte. Ein Bilderbogen der sanitären Kultur von den Ursprüngen bis in die Neuzeit. In: Hansgrohe Öffentlichkeitsarbeit (Hg.): Hansgrohe Schriftenreihe Band 2. Schramberg 1998, S. 99-102.

[56] Kubli, Renate (Hg.): Mühlen und Hammerwerke. Eine Epoche technisch-kultureller Entwicklung am Beispiel der Stadt Lauf. O. O. 1986. S. 22-63; S. 26f; S. 28f.

[57] Kubli 1986, S. 28f. Scheidig, Siegfried: Der Kupferhammer bei Lauenstein. Ein Stück Wirtschaftsgeschichte unserer Heimat. In: Arbeitskreis für Heimatpflege (Hg.): Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach. 17/1989. Ludwigstadt-Lauenstein 1989, S. 109f. Kramer 1998, S. 91-98.

[58] Vgl.: Kramer 1998, S. 103ff; S. 107ff.

[59] Vgl.: Ebd., S. 109.

[60] Vgl.: Kramer 1998, S. 109.

[61] Vgl.: Pauly, August Friedrich: Beschreibung des Oberamts Wangen. Stuttgart und Tübingen 1841. Auf: http://de.wikisource.org. http://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Wangen/Kapitel_A_5#A5_3. (Stand: 28.03.2015), S. 74.

[62] Ebd., S. 73

[63] Ebd.

[64] Vgl.: Ebd.

[65] Hinsichtlich der Entwicklung des gewerblich-industriellen Sektors im Königreich Württemberg im Verlauf des 19. Jahrhunderts vergleiche: Schwarzmaier, Hans Martin u.a. (Hg.): Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte. Dritter Band. Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Stuttgart 1992, S. 553-582.

[66] Vgl.: Staatsarchiv, Sigmaringen des Landes Baden-Württemberg, Bestand Wü 125-33 T 1-3 Nr. 499: Kosten – Voranschlag Über Mehrere vorzunehmende Verbesserungen an der Kuppel und dem Dache der Schloß – und Pfarrkirche derselbst zu Weingarten, Berechnet im Monat Mai1848, Folio 17ff.

[67] Vgl.: Staatsarchiv, Sigmaringen des Landes Baden-Württemberg, Bestand Wü 125-33 T 1-3 Nr. 499: Kosten – Voranschlag Über Mehrere vorzunehmende Verbesserungen an der Kuppel und dem Dache der Schloß – und Pfarrkirche derselbst zu Weingarten, Berechnet im Monat Mai1848, Folio 17ff.

[68] Kirchenstiftungsrat, Bad Waldsee: Pro Memoria! Transkription der vom Kirchenstiftungsrat verfassten Turmurkunde der ehemaligen Stiftskirche Bad Waldsee vom 05.12.1912. Bad Waldsee 1912, S. 1.

[69] Ebd., S. 1f.

[70] Ebd.

In der Fachliteratur werden Belege aufgeführt, die zeigen dass schon im 18. Jahrhundert Eisenblechdächer mit einem Anstrich von roter Farbe versehen wurden. Vgl. Kaspar 2001, S. 106.

[71] Matthaeij 1833, S. 146.

[72] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

[73] Vgl.: Ebd.

[74] Vgl.: Ebd.

[75] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

[76] Vgl.: Ebd.

[77] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten des Hospitals, Bärenweiler; Akkord-Vertrag betreffs der Anbringung eines neuen Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche vom 24.08.1884.

[78] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten des Hospitals, Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 06.11.1884.

[79] Ebd.

[80] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 14.09.1903.

[81] Vgl.: Ebd.

[82] Zur Entstehung und der Verbreitung der Weißblechproduktion in Europa vergleiche: Kramer 1998, S.99-111; S. 112-120.

[83] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten des Hospitals, Bärenweiler; Akkord-Vertrag betreffs der Anbringung eines neuen Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche vom 24.08.1884.

Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

Die Bezeichnung verbleites Eisenblech dürfte aller Wahrscheinlichkeit als umgangssprachliche Bezeichnung verstanden werden, da Weißblech eigentlich verzinntes Eisenblech ist.

Ab 1871 galt mit der Gründung des deutschen Kaiserreiches in den Gebieten des Königreichs Württemberg das metrische Messsystem. Vgl. Seyfried 2015.

[84] Vgl.: Dreher, Franz (Hrsg.): Katechismus der Klempnerei. Erster Teil. Leipzig 1902, S. 7ff.

[85] Vgl.: Grimm 1994, S. 136.

Hinsichtlich des Ausbaus der Württembergischen Eisenbahnstrecken sowie allgemein Verkehrswesen und den daraus resultierenden Folgen für Wirtschaft und Handel vergleiche: Schwarzmaier 1992, 539-545.

[86] Vergleiche dazu auch Eisenbahn-Reisekarte aus der Sammlung des Museums, Haus-Walser in Kißlegg im Allgäu. Mayer, W.: Neueste Eisenbahn-Reisekarte von Deutschland, Holland, Belgien und der Schweiz, einem grossen Theil von England, Frankreich, Italien etc.. Augsburg O. J..

[87] Siehe Warenkataloge der Sammlung des Museums, Haus-Walser in Kißlegg im Allgäu.

[88] Vgl.: Matthaeij 1833, S. 147; 149.

In der Fachliteratur wurde dieser Umstand ebenfalls schon aufgezeigt. Vgl.: Kaspar 2001, S. 106. Sowie: Strehler, Heinz: Historische Dachdeckungen in Bayern. In: Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.):  Denkmalpflege Informationen. Ausgabe D. Nr. 22 / 29. Oktober 1999. Parsdorf 1999, S. 10.

[89] Vgl.: Matthaeij 1833, S. 146ff.

Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Akkord-Vertrag betreffs der Anbringung eines neuen Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche vom 24.08.1884.

[90] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten des Hospitals, Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 06.11.1884.

[91] Vgl.: Ebd.

[92] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

[93] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Akkord-Vertrag betreffs der Anbringung eines neuen Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche vom 24.08.1884.

Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten des Hospitals, Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 06.11.1884.

[94] Seit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 galt dort die Währung Mark und Pfennig. Vgl.: Seyfried 2015.

[95] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Akkord-Vertrag betreffs der Anbringung eines neuen Weißblechdaches auf dem Turm der Spitalkirche vom 24.08.1884.

[96] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Schriftverkehr des Spitalpflegers mit der Hochfürstlichen Domänverwaltung Wurzach betreffs der Erneuerung der Dachdeckung des Turms der Spitalkirche vom 29.06.1884.

[97] Vgl.: Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 14.09.1903.

[98] Vgl.: Matthaeij 1833, S. 149.

[99] Matthaeij 1833, S. 149.

[100] Gesamtarchiv der Fürsten zu Waldburg-Zeil, Schloss Zeil: Bestand ZAKi; Bauakten zum Hospital Bärenweiler; Urkunde aus der Dokumentenkapsel des Turmknaufs der Spitalkirche vom 14.09.1903.

[101] Man beachte zu dieser Aussage auch die gleichlautenden Schlossfolgerungen aus der Fachliteratur. Vgl.: Kaspar 2001, S. 106. Sowie: Strehler 1999, S. 10.

[102] Vgl.: Neukamm, Fritz (Hg.): Wirtschaft und Schule in Württemberg von 1700-1836. Heidelberg 1956, S. 104-111. Sowie: Schwarzmaier 1992, S. 576f.

[103] Vgl.: Neukamm 1956, S. 104-108.

[104] Vgl.: Neukamm 1956, S. 109.

[105] Ohne Autor: Geschichte. Viele Namen eine Hochschule. Auf: hft-stuttgart.de.  http://www.hft-stuttgart.de/Hochschule/ProfilderHochschule/Geschichte/index.html/de. (Stand: 29.03.2015).

[106] Vgl.: Neukamm 1956, S. 109. Sowie: Schwarzmaier 1992, S. 578-581.

Und: Ohne Angabe Autor: Geschichte. Von der Winterschule zur Höheren Bauschule. Auf: hft-stuttgart.de. http://www.hft-stuttgart.de/Hochschule/ProfilderHochschule/Geschichte/Gruendung/index.html/de. (Stand: 29.03.2015). Sowie: Ohne Autor: Geschichte. Viele Namen eine Hochschule. Auf: hft-stuttgart.de.  http://www.hft-stuttgart.de/Hochschule/ProfilderHochschule/Geschichte/index.html/de. (Stand: 29.03.2015).

[107] Vgl.: Schwarzmaier 1992, 578f.

Sowie: Ohne Angabe Autor: Programm der Königlich-Württembergischen Baugewerkeschule in Stuttgart, Stuttgart 1867.

Und: Geschichte. Von der Winterschule zur Höheren Bauschule. Auf: hft-stuttgart.de. http://www.hft-stuttgart.de/Hochschule/ProfilderHochschule/Geschichte/Gruendung/index.html/de. (Stand: 29.03.2015).

[108] Schwarzmaier 1992, S. 572.

[109] Ebd.

[110] Weiland 2013, S. 1f.

[111] Ebd.

[112] Fritz Neukamm führt diesen Aspekt der Entfremdung des Handwerks von seinem handwerklichen Können für den Aspekt der künstlerischen Qualität handwerklicher Arbeiten in der Epoche des Klassizismus aus, was er zurückführt auf die durch die verbesserte Schulausbildung bewirkte Ausscheidung Handwerk und Kunst oder beispielsweise Architekt und Zimmermann. Vgl.: Neukamm 1956, S. 110.

Ähnliches traf mit Sicherheit auch auf die eher technisch ausgerichteten Tätigkeiten des Handwerks zu, kann jedoch im Zuge dieser Seminararbeit nicht hinreichend dargelegt werden.

[113] Vgl.: Rau; Braune 1985, S. 194.

Auch Werner Heinrich betont, dass Holzschindeldächer bei fachgerechter Deckung eine lange Lebensdauer haben könnten. Vgl.: Heinrich, Werner: Erhaltung und Wiederherstellung von Dächern. In: Institut für Denkmalpflege, Berlin (Hg.): Baudenkmalpflege. Beiträge zur Methodik und Technologie. Berlin 1990, S. 180.

[114] Rau und Braune führen aus, dass die Verfügbarkeit von als Baumaterial brauchbaren Holzschindeln auch stark mit der Waldbewirtschaftung und den verfügbaren Holzqualitäten zusammenhängt. Vgl.: Rau; Braune 1985, S. 194.

[115] Rau, Braune 1985, S. 192.

[116] Vgl.: Ebd., S. 191f; S. 194.

[117] Vgl.: Petzet; Mader 1993, S. 38f; S. 43f. Sowie: Rau; Braune 1985, S. 191f; S. 194.

[118] Vgl.: Thomas, Horst: Denkmalpflege für Architekten. Vom Grundwissen zur Gesamtleitung. Köln 1998, S. 93f.

 

Autor: Philipp Scheitenberger

Veröffentlicht am 20.08.2018

Bild- und Textrechte liegen beim Autor, falls nicht anders angegeben.

Durch Erdbeben im Jahr 2006 zerstörtes Gebäude in der Nähe des Ortes Taji, Java/Indonesien von Anwohnern zu Gedenkort und Moschee umgewidmet

Im Rahmen einer Exkursion, die an der Professur für Islamwissenschaften im Sommer 2012 angeboten wurde, und an der ich teilnahm, machte unsere Exkursionsgruppe am 02.August auf dem Weg von Jogjakarta nach Surakarta zur Mittagszeit unterwegs Halt an einem „Autobahn-Rasthof“ nahe dem ostjavanischen Ort Taji.

 2

Abb. 1: Zum muslimischen Gebetsraum und Gedenkort umgewidmente Gebäuderuine nahe dem Ort Taji auf dem östlichen Teil der Insel Jva, Indonesien (© Philipp Scheitenberger 2012).

Sofort fiel mir als angehender Denkmalpfleger ein Gebäude auf, das neben dem Rasthof stand. Es handelte sich um eine Gebäuderuine, die mit einem Notdach aus Bambusstämmen versehen worden war, und inzwischen von der muslimischen Bevölkerung der Umgebung als Gebetsraum genutzt wurde. Auf einer Steintafel war der Name des Gebetsraums eingehauen worden (Abb. 2). Der Name „Mushola Al Zil-Zal“ bezieht sich auf die 99. Sure des Korans, die auch „az-Zalzala“ genannt wird.(1) Im ersten Vers dieser Koran-Sure wird ein heftiges Erdbeben erläutert, das vor dem eintretenden Tag des Jüngsten Gerichts stattfinden soll. Somit wurde dieser Ruine nach dem Erdbeben von 2006 eine religiös-muslimische Nutzung verliehen, und somit ein spiritueller Gebets- und Gedenkort für die ansässige muslimische Gemeinde geschaffen, um hier den Opfern des Erdbebens zu Gedenken, und Reisenden die Verrichtung von Gebeten zu ermöglichen.

1

Abb. 2: Eingangsbereich der zum muslimischen Gebetsraum und Gedenkort umgewidmenten Gebäuderuin nahe dem Ort Taji auf dem östlichen Teil der Insel Jva, Indonesien. Rechts im Bild Steintafel mit Moscheename. Links im Bild Steintafel mit Gedenkinschrift  (© Philipp Scheitenberger 2012).

Auf einer weiteren Gedenktafel sind die genauen Umstände des Entstehens dieses Gedenk- und Gebetsraumes auf auf Indonesisch näher erläutert (Abb. 2) .

 So wurde dort in Stein eingehauen:

„Bangunan Mushola ini menggunakan bekas reruntuhan gempa tgl 27 Mei 2006 yg mengakibatkan 16 orang warga Taji meninggal dunia Mushola ini didirikan sebagai monumen untuk mengenang para korban dan sekaligus mengingat. Kebesaran Allah.

Auf Deutsch übersetzt heißt das:

„Diesen Moschee-Bau, bei dem 16 Menschen starben, haben Mushola Taji Bewohner aus den Ruinen des Erdbebens vom 27. Mai 2006 als Denkmal errichtet, um diesen Opfern zu gedenken und zugleich angesichts der Großartigkeit Allahs.“

Durch die Verwendung der javanischen „Tajug-Dachform“(2) für das Schutzdach (Abb. 2), die in ihrer Verwendung auf der Insel Java den religiösen Bauten vorbehalten ist,(3) wurde für Passanten bereits durch die äußere Erscheinung des Gebäudes deutlich gemacht, dass hier ein Gebetsraum geschaffen wurde.

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Abb. 3: Blick auf die Bambuskonstruktion des Schutzdaches, der zum muslimischen Gebetsraum und Gedenkort umgewidmenten Gebäuderuin nahe dem Ort Taji auf dem östlichen Teil der Insel Jva, Indonesien (© Philipp Scheitenberger 2012).

Neben der religiös-kulturellen Bedeutung, die diesem Gedächtnisort und Gebetsraum gegeben wurde, ist es aus denkmalpflegerischer Hinsicht auch interessant wie mit dem baulichen Erhalt dieser Ruine umgegangen wurde. Allein schon die Errichtung des Schutzdaches zeigt, dass die Ruine als Zeugnis des Erdbebens in ihrem überkommenen Zustand erhalten werden sollte. Beim Bau des Notdachs wurde kaum in den Baubestand der Ruine eingegriffen, das heißt es wurde so angebracht, dass es reversibel ist, das heißt zu einem späteren Zeitpunkt ohne große Schwierigkeiten und Zerstörungen wieder abgebaut werden kann (Abb. 1). Auch die Verwendung der lokalen Bambusbauweise, die man beispielsweise auch im javanischen Bergland bei landwirtschaftlichen Kleinbauten bis heute noch findet (Abb. 4), schafft eine klare Trennung zwischen den mit großer Sicherheit aus der niederländischen Kolonialzeit Indonesiens stammenden Resten des Gebäudes und dem neu errichteten Dach (Abb. 3). Die Dachkonstruktion setzt sich zusammen aus dem Bambus-Dachgerüst, auf das zuächst eine aus Palmblättern geflochtene Matte gebunden wurde. Darauf wurden dann Reisstrohbündel befestigt (Abb. 3). Somit wurde hier bewusst oder unbewusst, in einer unserem europäischen denkmalpflegerischen Handeln ähnelnden Art und Weise, die Kunst der Fuge beherrscht, das heißt gewährleistet, dass der Denkmalbestand durch eine denkmalpflegerische Maßnahme von den neuen Zufügungen für zukünftige Generationen unterscheidbar bleibt._dsc0214

Abb. 4: Landwirtschaftlicher Kleinbau in Bambusbauweise mit Sattel- und Pultdach im zentral auf der Insel Java, Indonesien gelegenen Bergland, in dem hauptsächlich großflächig Reis angebaut wird (© Philipp Scheitenberger 2012).

Dies gilt ebenfalls für die stützenden Spitzbögen, die sekundär in die Tür- und Fensteröffnungen des Gebäudes eingebracht wurden (Abb 1 und Abb. 2). Auch hier wurde auf eine eventuell auch intuitive, doch sehr gekonnte Art und Weise eine statische Sicherung durchgeführt, die es nach Durchführung ihrer baulichen Umsetzung noch erlaubt die ehemalige Form und Dimensionen der Fenster- und Türöffnungen nachzuvollziehen sowie gleichzeitig ermöglicht die Ruine statisch zu sichern und trotzdem die ehemalige Funktionen der Fenster- und Türöffnungen als Durchgänge und Belichtungs- und Belüftungsmöglichkeit zu erhalten.

Bei der Entdeckung dieses „Denkmals“ auf dem Weg nach Surakarta faszinierte mich diese bauliche und kulturelle Leistung der ansässigen Bevölkerung sehr, so dass ich heute trotz dem das einige Zeit seit der Rückkehr von dieser Exkursion vergangen ist diese hausforscherische und denkmalpflegerische Beobachtung mitteilen möchte. Für mich haben gerade solche unscheinbaren Gebäude/Denkmale häufig einen größeren Reiz, und eine höhere Priorität zur Entschlüsselung ihrer Bedeutung, als die großen alles überstrahlenden denkmalgeschützten Schlösser, Tempel oder Burgen, da sich hier auf eine sehr eindrückliche Art und Weise das Wirken und auch das Werteempfinden der einfachen Menschen widerspiegelt, denen ich mich egal welcher Religion oder welchem Glauben sie angehören stets nahe fühle.

Fußnoten:

(1) Vgl.: Khoury, Adel Theodor: Der Koran. Übersetzt und kommentiert von A. T. Khoury. Gütersloh 2007, S. 581.

(2) Vgl.: Ismudiyanto, Ir/ Atmadi, Parmono: Demak, Kudus, and Jepara Mosques. A Study of Architectural Syncretism, Gadjah Mada University, Yogyakarta 1987, S. 89.

(3) Vgl.: Wahby, Ahmed E.I.: The Architecture of the early Mosques and Shrines of Java: Influence of the Arab Merchants in the 15th and 16th Centuries, online veröff. Dissertation, Otto-Friedrich-Universität, Bamberg 2007, S. 119.

P. S. 

09.12.2016

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